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Zwei rätselhafte Steinpfeiler mitten im Wald von Holzzelle
(von Helmut Lohmeier – gekürzte Fassung von P. Schoppe)
Gelehrte haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen, was denn die beiden seltsamen Steinpfeiler mitten im Wald unweit des Reiterhofes Holzzelle zu bedeuten haben. Doch eine eindeutige Erklärung konnten auch sie nicht finden. Urkunden aus dem Mittelalter sind rar.
Hinweise auf ein Kloster in Holzzelle finden sich in einer Erfurter Urkunde, die einen Holzzeller Probst Wolfram in Gemeinschaft mit anderen mansfeldischen Würdenträgern erwähnt. 1197 wird ein Probst Wilhelm nebst einem Prior genannt. Im Jahre 1217 muss dann das Nonnenkloster einen gewissen Ruf gehabt haben. Wie alle grundbesitzenden Klöster des Mansfelder Landes wurde auch Holzzelle im Bauernkrieg 1525 verwüstet, dabei sind sämtliche Klosterurkunden vernichtet worden. Nach einer Urkunde vom 15. Juni 1525, ausgestellt in Leipzig, ersuchte Georg von Sachsen den Bischof von Meißen zu bewirken, dass die flüchtigen Klosterfrauen des Klosters „Zella“ bei Eisleben in Mühlberg und Meißen Unterkunft finden. Dass die Nonnen dann aber anderswo aufgenommen wurden, beweisen andere Urkunden aus den Jahren 1532 und 1534. Bald nach der Vertreibung der Klosterfrauen wurde Holzzelle ein gräfliches Amt. Nach dem Tod des letzten Mansfelder Grafen im Jahre1780 wurde es preußische Staatsdomäne, später Staats- bzw. Landesgut. Heute hat hier ein Reiterhof sein Domizil. Nach Untersuchungen bestand die ehemalige Klosterbasilika aus Rothenschirmbacher Sandstein. Auf Grund vorliegender älterer Zeichnungen scheint sie ein Denkmal einzigartiger romanischer Baukunst gewesen zu sein. Johann Albert Biering, der Topograph des 18. Jahrhunderts, schreibt aus eigener Anschauung, dass Holzzelle ein großes Kloster gewesen ist „mit einer aus Quaderstücken erbauten Kirche, welche zwei Türme gehabt und einige Nebenkapellen“. Mit ziemlicher Sicherheit kann behauptet werden, dass es eine Säulenbasilika war mit zwei dem Querschiff westlich vorgelagerten Türmen, einer säulengeschmückten Hauptapsis und zwei Nebenapsiden. Die Grundmauern der ehemaligen Klosterkirche ruhen unter dem Pflaster des Gutshofes. Im Jahre 1907 wurden sie entdeckt. Man vermutet, dass sich der Kreuzgang im Süden der Kirche befand, nördlich von ihr war ein freier Platz, der zeitweilig auch Friedhof war, daran anschließend die Wohnung der Domina. Wenden wir uns nach Norden, tauchen zwischen hohen Buchenstämmen im Walde die eingangs erwähnten geheimnisvollen Reste von Steinpfeilern auf. Sind es Reste einer Brücke über die Schlucht oder einer Abortanlage nach Art der Ordensburgen? Mögen die "Pfeiler" einen Glockenstuhl getragen haben? Letzteres dürfte am wahrscheinlichsten sein. Pastor Bierig schrieb im 18. Jahrhundert: "Gegen Mitternacht hat das Kloster einen Altan gehabt". Dazu mag hier im Norden der geeignete Platz gewesen sein, am Rande des einstigen Klostergartens, der Blick über den Nonnengrund mit seinen Fischteichen, Obstpflanzungen und Holzungen, und in der Ferne die Mansfelder Seen.
Quelle:
Amtsblatt der Verwaltungsgemeinchaft "Am Hornburger Sattel" Jahrgang 3 Nummer 7 vom 4. Juli 1997 |