Dienstvorschrift
über den
Behälterverkehr
(Beh Vo)
gültig vom 1. Juli 1935 ab

§ 1
Grundsatz
Die Behälter werden außerhalb des Frachtvertrages vermietet.


§ 2
Begriff
(1) Behälter dienen der Zusammenfassung und Beförderung einer Gutmenge; sie sind mit besonderen Vorrichtungen zur Erleichterung der Fortbewegung ausgerüstet. Behälter mit einem Fassungsraum bis 3 m³ *) werden Kleinbehälter, Behälter mit größerem Fassungsvermögen Großbehälter genannt. Großbehälter brauchen nur kranbar zu sein.
*) Noch vorhandene Behälter mit einem Fassungsvermögen von 3,1 bis 3,5 m³ gelten ebenfalls als Kleinbehälter.

(2) Der Behälter bietet dem Kunden folgende Vorteile:

Erleichterung des Haus-Haus-Verkehrs,
Ersparnis an Fracht,
Ersparnis an Verpackungskosten,
Vereinfachun der Pack- und Ladearbeiten beim Absender und Empfänger,
Verminderung von Beförderungsschäden.

§ 3
Beschaffung
(1) Die Behälter werden von der Reichsbahn beschafft (bahneigene Behälter).

(2) Ausnahmsweise können von Kunden beschaffte und der Reichsbahn übereigenete Behälter besonderer Bauart zugelassen werden, wenn Behälter gewöhnlicher Bauart wegen der Beschaffenheit einzelner Güter nicht benutzt werden können (Kundensonderbehälter).
Von Kunden beschaffte und der Reichsbahn übereignete Behälter gewöhnlicher Bauart (Kundenbehälter) dürfen bis auf weiteres noch verwendet werden; solche Kundenbehälter weden jedoch nicht neu zugelassen.

(I) Anträge auf Zulassung von Kundensonderbehältern sind der Reichsbahndirektion vorzulegen. Über die Zulassung entscheidet die Hauptverwaltung. Die Benutzung dieser Behälter regelt die Reichsbahndirektion.
(3) Die besoderen Bestimmungen für Kundensonderbehälter und Kundenbehälter enthält § 13.

§ 4
Verwendung
(1) Kleinbehälter dienen in erster Linie dem Stückgutverkehr. Ihre Verwendung im Wagenladungsverkehr - besonders im Sammelladungsverkehr - bedarf der Genehmigung der Reichsbahndirektion.
(I) Kleinbehälter sind im allgemeinen freizügig und nur zur Überwachung ihres lückenlosen Laufs einem bestimmten Bahnhof zugeteilt (Überwachungsbahnhof).
Ausgenommen aus der Freizügigkeit sind:
Kundensonderbehälter und Kundenbehälter,
bahneigene Behälter mit inneren Sondereinrichtungen,
bahneigene Behälter mit einem Fassungsraum von weniger als 1 m³,
privatbahneigene und kleinbahneigene Behälter und solche bahneigenen Behälter, die von der Reichsbahndirektion mit Zustimmung des Hauptwagenamts beheimatet werden. Das Hauptwagenamt verständigt die Oberbetriebsleitung Süd von der beabsichtigten Beheimatung.
Die nicht freizügigen Behälter sind bei einem Bahnhof beheimatet (Heimatbahnhof), dem sie nach Entladung wieder zugeteilt werden müssen. Wegen ihrer Beladung auf dem Rückweg vgl § 11.
(2) Großbehälter dienen dem Stückgut- und Wagenladungsverkehr.
(II) Sie sind nicht freizügig und werden beheimatet.
(3) Für Güter der Anlange C zur Eisenbahn-Verkehrsordnung sowie für Güter, die übel riechen oder den Behälter beschmutzen, dürfen keine Behälter verwendet werden. Für Umzugsgut werden Großbehälter nicht gestellt.
(III) Die Verwendung von freizügigen Kleinbehältern für innerdienstliche Zwecke und für Dienstgutsendungen zwischen Eisenbahndienststellen ist verboten.
(4) Die Verwendung von Behältern nach Ländern, mit denen Behälterverkehr noch nicht geregelt ist, bedarf der Genehmigung der Reichsbahndirektion.
(IV) Wegen der Verwendung von Behältern nach dem Auslande siehe § 20.

§ 5
Anschriften und Kennzeichen

Die Kleinbehälter tragen auf der Deichselseite, die Großbehälter an beiden Längsseiten folgende Anschriften:
Deutsche Reichsbahn, den Namen der Reichsbahndirektion, des Überwachungs- oder Heimatbahnhofs, das Gattungszeichen und die Nummer des Behälters, das Eigengewicht, das Ladegewicht und den Fassungsraum.
(I) Die freizügigen Kleinbehälter haben ferner auf den beiden Ecksäulen der vorderen Stirnwand einen 15 cm breiten weißen Streifen, der oben und unten mit einem 3 cm breiten schwarzen Streifen eingefaßt ist.
Bei beheimateten Kleinbehältern sind die Anschriften nach Ziffer (1) rot umrandet.
(II) Abmessungen und Gattungszeichen der Kleinbehälter ergeben sich aus Anhang I.

(III) Für die nach den Vorschriften des Internationalen Eisenbahnverbandes gebauten Behälter ist eine andere Beschriftung vorgesehen.


§ 6
Bestellung, Stellung, Beladung, Entladung

(1) Die Behälter sind bei der Versandabfertigung für einen bestimmten Tag unter Angabe des nötigen Fassungsraumes, der Art und Menge des Gutes und des Bestimmungsbahnhofs zu bestellen, ebenso die zur Verladung von Großbehältern erforderlichen Güterwagen.
Die Behälter werden dem Kunden nur für eine Beförderung überlassen.
(I) Für die Meldung, den Ausgleich, die Verteilung und den Nachweis der Behälter gilt Anhang II. Die Bestimmungen für Großbehälter gibt die Reichsbahndirektion.

(II) Wenn Behälter der bestellten Größe nicht verfügbar sind, können solche anderen Fassungsvermögens als Ersatz gestellt werden, z B C1 für B1 oder A2 für B1.

(III) Die Abfertigung hat bei der Zuteilug die Reihenfolge und Dringlichkeit der Bestellungen zu beachten. Anforderungen für Dienstgut ist erst dann zu entsprechen, wenn der Bedarf für Sendungen des öffentlichen Verkehrs gedeckt ist.


(2) Der Behälter wird dem Absender von der Versandabfertigung nach Anerkennung der Bedingungen für den Behälterverkehr und nach Abgabe einer Erklärung über den Empfang des Behälters übergeben. Der Absender erhält eine Durchschrift der Erklärung, die mit dem Behälter zurückzugeben ist. Auf dem Bestimmungsbahnhof wird der Behälter dem Empfänger mit einer Benachrichtigung ausgeliefert, die ebenfalls mit dem Behälter zurückzugeben ist.

(IV) Nach der vom Absender abgegebenen Erklärung -  Anlage 1 - ist die Auflieferung des Behälters zu überwachen. Die zurückgegebene Durchschrift ist mit der Urschrift zu verbinden.
Die Benachrichtigung - Anlage 2- ist zu pausen. Die erste Ausfertigung bleibt bei der Abfertigung und dient zur Überwachung der Rückgabe des Behälters. Die zweite Ausfertigung ist dem Frachtbrief anzuheften.

(V) Wegen Anerkennung der Bedingungen für den Behälterverkehr siehe § 15 (1).

(3) Die An- und Abfuhr außerhalb des Bedieungsbereichs des Bahnhofs, auf dem der Behälter dem Absender oder Empfänger zur Be- und Entladung übergeben worden ist, ist nur mit Genehmigung der Eisenbahn zulässig.
Der Behälter ist bei einer Abfertigung des Ortes aufzuliefern oder zurückzugeben, an dem ihn der Absender oder Empfänger von der Eisenbahn erhalten hat. Die Auflieferung oder Rückgabe bei einer Abfertigung eines anderen Ortes ist nur mit Genehmigung der Eisenbahn zulässig.
(VI) Erhält eine Abfertigung von einem Kunden einen beladenen oder leeren Behälter, der von einer anderen Abfertigung zur Beladung gestellt oder zur Entladung ausgeliefert worden ist, so ist diese Abfertigung sofort zu verständigen. Außerdem ist die Durchschrift der Anlage 1 oder 2 zu übersenden.
(4) Für die Beladung des Behälters ist das angeschriebene Ladegewicht maßgebend. Es darf nicht um mehr als 5% überschritten werden.

(5) Die Kosten für An- und Abfuhr trägt der Kunde.

(VII) Für das Zu- und Abrollen der Behälter durch den bahnamtlichen Rollfuhrunternehmer sind im allgemeinen die Sätze des Einheits- oder Ortsgebührentarifs - Bahnsped V Anlage 5 - maßgebend. Sie sind dem Kunden für den beladenen Behälter nach dem Gesamtgewicht, für den leeren Behälter nach dem Eigengewicht in Rechnung zu stellen.
Für das Rollen von Großbehältern auf eigenen Rädern oder auf bahneigenem Fahrgestell ist das Rollgeld für den beladenen Behälter nur nach dem Gewicht des Inhalts, für den leeren Behälter nach dem Eigengewicht zu berechnen

(VIII) Wenn in einzelnen Wettbewerbsfällen diese Sätze zu hoch erscheinen, sind sie zu Gunsten des Kunden nach Benehmen der beteiligten Reichsbahndirektionen untereinander, in eiligen Fällen durch die dem Versandbahnhof vorgesetzte Reichsbahndirektion weiter zu senken und wenn nötig ganz zu erlassen. Ob dies auf Kosten der Reichsbahn oder des bahnamtlichen Rollfuhrunternehmers geschieht, hängt davon ab, inwieweit Reichsbahn oder Unternehmer an der Senkung der Rollsätze ein wirtshaftliches Interesse haben.
Werden die Fuhrleistungen allgemein bezuschußt, bleibt es der Selbstkostenvereinbarung mit dem Unternehmer überlassen, welche Gewährleistungssätze die Reichsbahndirektion dem Unternehmer für das Zu- und Abrollen der Behälter zugesteht.

(IX) Die Kunden sind in geeigneter Weise darauf aufmerksam zu machen, daß der bahnamtliche Rollfuhrunternehmer verpflichtet ist, Behälter zu den vorstehenden Bedingungen zu rollen.

(6)  Leere Behälter sind besenrein zurückzugeben.
(X) Lose Bestandteile sind nach der Be- und Entladung des Behälters wieder an ihrem Platz anzubringen. Ist dies nicht möglich, sind sie so zu sichern, daß sie weder herabfallen noch durch Verschieben die Betriebssicherheit gefährden können. Wenn sie mit dem Stückgut zu bezetteln und mit Begleitschein (§ 7 (II)) nach dem Überwachungs- oder Heimatbahnhof zu senden. In dem Begleitschein ist der Behälter zu bezeichnen, zu dem die losen Bestandteile gehören.

§ 7
Verschluß, Verbleiung, Bezettelung

(1) Der Absender soll den beladenen Behälter vor der Aufgabe als Stückgut zweckentsprechend verschließen und verbleien. Bei unverschlossenen Stückgutsendungen hat der Absender das Fehlen des Verschlusses in der Erklärungsspalte des Frachtbriefs durch den Vermerk "in unverschlossenem Behälter" anzuerkennen.

(2) Beladene Kleinbehälter sind im Stückgutverkehr wie Stückgut zu bezetteln.

(I) Beladene Großbehälter werden wie Wagenladungen bezettelt. Leere Behälter erhalten den Zettel nach GV I Muster 5 (Leerwagenzettel).

(II) Im innerdeutschen  Verkehr ist jedem beladenen oder leeren Behälter - auch bei Verwendung im Wagenladungsverkehr - ein Begleitschein beizugeben. Der Begleitschein ist so lange zu verwenden, bis er voll beschrieben ist. Er ist dann wegzulegen. Die Mitgabe und die Nummer des Begleitscheins zu beladenen Behältern sind im Frachtbrief und im Versandbuch in der Spalte "Bemerkungen" zu vermerken.

(III) Jede Absendung eines beladenen oder leeren Behälters ist dem Überwachungs- und Heimatbahnhof mit Benachrichtigungskarte zu melden.


§ 8
Ladefristen, Verzögerung der Rückgabe, Abbestellung

(1) Der Absender hat den Behälter bis zum Annahmeschluß des dem Tage der Bereitstellung folgenden Arbeitstages aufzuliefern (Auflieferungsfrist), der Empfänger hat ihn innerhalb der lager- oder standgeldfreien Frist abzunehmen (Abnahmefrist) und spätestens 24 Stunden nach Ablauf dieser Frist (Rückgabefrist) zurückzugeben.

(2) Für jeden angefangenen Tag der Fristüberschreitung - Auflieferungs-, Abnahme- und Rückgabefrist - ist außer Wagenstand- oder Lagergeld Verzögerungsgebühr zu entrichten.

 
Sie beträgt: Kleinbehälter Großbehälter
für den ersten Tag 0,50 RM 1.- RM
für den zweiten Tag 1.- RM 2.- RM
für den dritten Tag 3.- RM 6.- RM
für jeden weiteren Tag 5.- RM 10.- RM
Das Lagergeld wird nach dem Frachtrechnungsgewicht erhoben.

(3) Wird ein Behälter nach 12 Uhr mittags des dem gewünschten Stelltag vorangehenden Werktages abbestellt, so ist eine Abbestellgebühr von 1.- RM für den Großbehälter und von 0.50 RM für den Kleinbehälter zu zahlen.

(I) Die Verzögerungsgebühr ist von der Versandabfertigung im Versandbuch, von der Empfangsabfertigung im Nebengebührenbuch einzutragen. Bei Dienstgutsendungen werden beide Gebühren stets im Nebengebührenbuch verrechnet.
Verweigert der Empfänger die Bezahlung der Verzögerungsgebühr, so ist sie auf die Versandabfertigung zur Einziehung vom Absender als dem Mieter zurückzurechnen.
(4) In Zeiten starker Nachfrage nach Kleinbehältern kann die Eisenbahn die Auflieferungs- und Rückgabefristen verkürzen und die Verzögerungsgebühr erhöhen.

§ 9
Frachtberechnung

(1) Die Behälter gelten als bahneigene Lademittel. Ihr Eigengewicht wird zur Frachtberechnung nicht herangezogen.

(2) Das Gewicht des Behälterinhalt ist im Frachtbrief in der Spalte "Wirkliches Rohgewicht", das Eigengewicht des Behälter - nötigenfalls auch des Fahrwerks - in der Spalte "Inhalt" zu vermerken.
Zum Behälterinhalt zählt auch das Gewicht der von den Verfrachtern beschafften und von ihnen zur besseren Unterbringung der Güter verwendeten Hilfsmittel wie Ladegestelle, Gerüste, Festlegevorrichtungen und dgl.

(3) Behälter werden nur dann gestellt, wenn der Absender der Frachtberechnung je Behälter für wenigstens
100 kg bei Behältern bis 1,5 m³ Fassungsraum
250 kg bei Behältern über 1,5 bis 2,5 m³ Fassungsraum
500 kg bei Behältern über 2,5 bis 3,0 m³ Fassungsraum (Hierunter fallen auch die noch vorhanden Kleinbehälter mit einem Fassungsvermögen von 3,1 bis 3,5 m³.)
800 kg bei Behältern über 3,0 is 10 m³ Fassungsraum
1000 kg bei Behältern über 10 bis 16 m³ Fassungsraum
1200 kg bei Behältern über 16 m³ Fassungsraum
bei Großbehältern jedoch für mindestens 2000 kg je Frachtbriefsendung zustimmt.

(I) Werden Behälter größeren Fassungsvermögens als Ersatz gestellt, so gilt für die Frachtberechnung der Fassungsraum des bestellten Behälters, wenn nicht der Absender den größeren Fassungsraum voll ausgenutzt hat.

(II) Soll ein Behälter zur Rücksendung der inneren Verpackung der Vollsendung benutzt werden, so ist hierzu die Genehmigung der für den Versandbahnhof des Rücklaufs zuständigen Reichsbahndirektion oder der von ihr ermächtigten Stelle notwendig. In der Regel kommen hierfür nur Kundensonderbehälter und Kundenbehälter sowie beheimatete bahneigene Behälter in Betracht, in besonderen Ausnahmefällen auch freizügige Behälter. Für die innere Verpackung ist Fracht nach dem halben wirklihcen Gewicht zu erheben. Wegen der Miete vgl § 10 (IV).


§ 10
Miete

(1) Für jede Benutzung eines Behälters - auch für Dienstgutsendungen, die von Privaten aufgeliefert werden - ist Miete nach Anhang III zu zahlen.
(I) Werden Behälter größeren Fassungsraums als Ersatz gestellt, so ist die Miete nach dem Fassungsraum des bestellten Behälters zu berechnen, wenn der Absender den größeren Fassungsraum nicht voll ausgelastet hat. Das gleiche gilt, wenn mehrere Behälter kleineren Fassungsraums als Ersatz gestellt werden. Die Ersatzstellung ist im Frachtbrief und im Versandbuch zu vermerken.
(2) Bei Weiterabfertigung oder Rücksendung auf Grund nachträglicher Verfügung wird die Miete nach den imAnhang III angegebenen Sätzen durchgehend berechnet.
(II) Der Weiterabfertigungsbahnhof hat den Unterschied zwischen der berechneten Miete und der Miete für die Gesamtentfernung der ursprünglichen und der neuen Beförderungsstrecke zu ermitteln und als Miete für die neue Beförderungsstrecke einzusetzen.
(3) Im Verkehr mit Privatbahnen wird die Miete durchgehend berechnet.

(4) Im Verkehr mit Kleinbahnne wird die Miete wie die Fracht getrennt für die Strecken der Reichs- (oder Privat-)bahn und der Kleinbahn berechnet.

(5) Die Miete kann ganz oder teilweise als Freibetrag oder in Überweisung erhoben werden.

(III) Die Versandabfertigung hat die Behältermiete unter dieser Bezeichnung im Versandbuch, bei Dienstgutsendungen im Nebengebührenbuch, zu verrechnen. Außerdem ist bei Kleinbehältern das Gatungszeichen, bei Großbehältern der Fassungsraum des Behälters im Frachtbrief - Spalte "Art der Verpackung" - und im Versandbuch anzugeben.

(IV) Die Miete kann in besonderen Fällen - ausgenommen bei Rücksendung der inneren Verpackung der Vollsendung (§ 9 (II)) - auf Antrag durch die Reichsbahndirektion im Rückvergütungswege ermäßigt oder erlassen werden. Ist die Miete ganz oder teilweise auf den Empfangsbahnhof überwiesen, so kann sie nur im Benehmen mit der Versanddirektion erstattet werden. Das Verkehrsamt erstattet die Beträge und teilt am Monatsschluß die Summe der Beträge dem Wagenbüro der Reichsbahndirektion mit (§ 17 (II)).

(V) Verweigert der Empfänger die Bezahlung der Behältermiete, so ist sie auf die Versandabfertigung zur Einziehung vom Absender als dem Mieter zurückzurechnen.

(6) Sollen Kleinbehälter mit Genehmigung der Versanddirektion von deutschen Seehäfen mit Seeschiff (nicht Eisenbahnfähre) weiterbefördert werden, so wird für die Eisenbahnbeförderungsstrecke bis zum deutschen Seehafen Miete nachAnhang III Ziff (1) u (2) und für die Ausbleibezeit ab deutschem Seehafen Miete nach Anhang III Ziff (3) - Zeitmiete - erhoben. Als Ausbleibezeit gilt die Zeit vom Tage nach der Ankunft des Behälters bis zu seiner Rückgabe an den Seehafenbahnhof. Auf dem Versandbahnhof ist der hiernach zu berechnende voraussichtliche Mietvertrag von dem Absender zu hinterlegen. Der hinterlegte Betrag ist im Frachtbrief zu vermerken. Der Seehafenbahnhof teilt nach Rückgabe des Behälters die Ausbleibezeit dem Versandbahnhof mit, der mit dem Versender des Behälters über den hinterlegten Betrag abrechnet.

§ 11
Rücklauf der beheimateten Klein- unf Großbehälter

Beheimatete Behälter sollten auf dem Rückweg möglichst ausgenutzt werden.
(I) Hierbei sind sie in nachstehender Reihenfolge zu verwenden:
a) nach dem Heimatbahnhof,
b) nach einem Bahnhof des Heimatbezirks,
c) nach einem in der Richtung des Heimatbezirks gelegenen Unterwegsbahnhof.
(II) In erster Linie ist die Beladung durch Verfrachter, in zweiter Linie die Verwendung für innerdienstliche Zwecke anzustreben. Im letzteren Falle sind verschließbare Behälter nach der Beladung zu verbleien und die zugehörigen Frachtbriefe in besonderem Streifband zu vereinigen, damit bei der Umladung Gut und Begleitpapiere nicht verglichen zu werden brauchen.

§ 12
Haftung und Unterhaltung

(1) Schäden, die an Behältern in der Zeit zwischen Annahme und Auslieferung eintreten, sind von der Reichsbahn zu vertreten, es sei denn, daß ein Verschulden des Absenders vorliegt.

(2) Für Beschädigungen an Behältern, die während ihrer Beförderung von und zu Abfertigungen eintreten, haftet der Absender als Mieter, soweit nicht bahnamtliche An- und Abfuhr stattfindet.
Er haftet ferner für Beschädigungen der Behälter während ihres Aufenthalts bei ihm oder beim Empfänger.

(I) Hat der Empfänger die Beschädigung verschuldet, so ist zunächst der Empfänger zum Schadenersatz heranzuziehen. Verweigert er die Zahlung, so ist der Absender als Mieter haftbar zu machen.

(II) Bei Beschädigunen an Behältern ist der Tatbestand nach Erm V festzustellen.

(III) Die Unterhaltung der Kleinbehälter reglet Anhang IV.

(3) Wird der Behälter nicht innerhalb 30 Tagen - vom Tage der Bereitstellung an gerechnet - zurückgegeben, so gilt er als verloren. Der Wert des Behälters ist der Eisenbahn zu ersetzen.

§ 13
Besondere Bestimmungen für Kundensonderbehälter und Kundenbehälter

(1) Für die Kundensonderbehälter und für die noch vorhandenen Kundenbehälter (§ 3 (2)) gelten die bestimmungen für bahneigene Behälter, soweit nachstehend nicht anders bestimmt ist.

(2) Kundensonderbehälter und Kundenbehälter sind beheimatet.

(3) Sie können nach Bestimmung der Reichsbahndirektion zusätzliche Anschriften tragen.

(4) Der Kunde oder der von ihm Beauftragte ist von der Zahlung von Verzögerungsgebühr befreit.
Die Mietsätze für Kundensonderbehälter und für Kundenbehälter sind aus Anhang III zu ersehen.

(5) Die Kundenbehälter können wie bahneigenen Behälter im Rücklauf ausgenutzt werden, wenn nicht Beschränkungen in der Rückverwendung besonders vereinbart sind. Solche Beschränkungen sind an den Behältern anzuschreiben.

(6) Der Kunde hat die Behälter auf seine Kosten in gutem Zustand zu erhalten. Die Behälter sind auf Verlangen der Reichsbahn auszubessern oder auszumustern.


§ 14
Privatbehälter

(1) Auf Privatbehälter finden diese Bestimmungen keine Anwendung.

(2) Im internationalen Verkehr regelt sich die Verwendung und Behandlung von Privatbehältern nach dem jeweiligen Tarif.


§ 15
Anerkennung der Bedingungen

(I) Die "Bedingungen für den Behälterverkehr" werden als Sonderdruck 752 00 herausgegeben. Sie sind vor der ersten Benutzung eines Behälters von dem Mieter durch eigenhändige Unterschrift anzuerkennen und gelten auch für weitere Benutzungen.

(II) Die anerkannten Bedingungen sind von der Abfertigung aufzubewahren.


§ 16
Buchung, Überwachung und Kartei

(I) Die Abfertigungen tragen den Ein- und Ausgang der Behälter, für die sie nicht Überwachungs- oder Heimatbahnhof sind, in einen Nachweis nach GWV I Muster 29 ein.

(II) Die Überwachungs- und Heimatbahnhöfe führen außerdem für die ihnen zugeteilten oder bei ihnen beheimateten Kleinbehälter und die Großbehälter je ein Kontrollheft, das monatlich abzuschließen ist.
An Stelle des Kontrollheftes kann auf Anordnung der Reichsbahndirektion eine Kartei nach dem Muster der Anlage 5 geführt werden.

(III) Nach dem Kontrollheft ist der Lauf der Behälter zu übrewachen. Beim Ausbleiben einer Benachrichtigungskarte, spätestens nach 2Wochen, ist nach den Behältern mit Karte zu forschen. Die Absendung der Karte ist in Spalte "Bemerkungen" des Kontrollheftes zu vermerken.

(IV) Der Dienststellenvorsteher prüft den Nachweis und das Kontrollheft wöchentlich mindestens einmal und bescheinigt die Prüfung mit Tag und Namenszeichen.

(V) Das Reichsbahn-Zentralamt München führt für jeden Behälter ein Karteiblatt.

(VI) Die Reichsbahndirektion führt über die beheimateten Behälter einschließlich Kundensonderbehälter uind Kundenbehälter eine Nachweisung nach dem Muster der Heimatwagennachweisung (GWV I Muster 1b). Die Anzeige nach Spalte 11/12 ist an das Reichsbahn-Zentralamt München einzusenden.


§ 17
Statistik der Kleinbehälter

(I) Die Überwachungs- und Heimatbahnhöfe stellen nach den Abschlußzahlen der Kontrollhefte für Kleinbehälter einen Behälterverwendungsnachweis auf. In die Spalte 2 ist für jede Gattung die Gesamtzahl der am letzten Monatstage zur Überwachung zugeteilten und beheimateten Behälter, einschließlich der in Ausbesserung befindlichen und der Kondensonderbehälter und Kundenbehälter, einzutragen. Die Zahl der beheimateten bahneigenen Behälter und er Kundensonderbehälter und Kundenbehälter ist außerdem noch in Spalte 3a und 3b anzugeben. In der Spalte 10 ist die Summe der aus Spalte 11 der Kontrollhefte für sämtliche Kleinbehälter sich ergebenden Ausbesserungsstage bei jeder Gattung zu vermerken. Der Behälterverwendungsnachweis ist bis zum 7. des Nachmonats dem Wagenbüro einzusenden.

(II) Das Wagenbüro stellt die Meldungen der Überwachungs- und Heimatbahnhöfe zusammen, vermerkt die nach § 10 (IV) im gleichen Zeitraum erstatteten Mietbeträge und sendet die Zusammenstellung nach Anlage 7 bis zum 15. jeden Monats dem Hauptwagenamt ein.

(III) Das Hauptwagenamt faßt die Meldungen der einzelnen Bezirke zusammen und übersendet die Zusammenstellung bis zum 25. jedes Monats der Hauptverwaltung, den Reichsbahndirektionen, den Oberbetriebsleitungen und dem Reichsbahn-Zentralamt München.


§ 18
Verkehr mit Privatbahnen

(I) Die Dienstvorschrift gilt auch für Sendungen in reichsbahn- oder privatbahneigenen Behältern im Verkehr mit allen deutschen Privatbahnen (Ausgenommen ist ihre Anwendung im direkten Verkehr mit der Mühlheim-Badenweiler Eisenbahn A.-G.).

(II) Wegen Berechnung der Miete siehe § 10 (3).

(III) Für den Übergang der Behälter nach und von Privatbahnen gelten die Bestimmungen über Lademittel in den "Allgemeinen Bedingungen für die gegenseitige Benutzung von Güterwagen zwischen der Deutschen Reichsbahn und anschließenden Privatbahnen (PbWB)".

(IV) Wünscht eine Privatbahn die Überlassung reichsbahneigener für den Übergangsverkehr nach der Reichsbahn, so sind Anforderung, Bereitstellung, Rückgabe usw der Behälter mit der zuständigen Reichsbahndirektion besonders zu vereinbaren.
Wird eine reichsbahneigener Behälter nur für den Binnenverkehr der Privatbahn verwendet, dann ist die Zahlung einer Vergütung an die Reichsbahn zu vereinbaren.
Für Übergangssendungen nach der Reichsbahn kann eine Vergütung an die Reichsbahn vereinbart werden für den Fall, daß nicht durch ausreichende Lastläufe auf Reichsbahnstrecken im Wechselverkehr innerhalb eine längeren Zeitraums ein angemessener Ausgleich für die Beschaffungs- und Unterhaltungskosten der reichsbahneigenen Behälter herbeigeführt wird. Von der Vereinbarung ausgeschlossen ist eine von der Anteilsübersicht abweichende Mieteverteilung.


§ 19
Verkehr mit Kleinbahnen

(I) Auf bahneigene Behälter derjenigen Kleinbahnen, die dem Behälterverkehr beigetreten sind, findet § 18 (I) und (IV) entsprechende Anwendung.

(II) Wegen der Berechnung der Miete siehe § 10 (4).
Im Verkehr mit der Reiesengebirgsbahn und der Kleinbahn Kleinschmalkalden - Brotterode gelten jedoch die Bestimmungen des § 10 (3).

(III) Für den Übergang der Behälter nach und von Kleinbahnen gelten die Bestimmungen über Lademittel in den "Allgemeinen Bedingungen für die gegenseitige Benutzung von Güterwagen zwischen der Deutschen Reichsbahn und anschließenden Kleinbahnen (KbWB)".

(IV) Die nach der "Dienstvorschrift zur Ermittlung der Vergütung an Kleinbahnen im Übergangsverkehr" zu zahlende Übergangsvergütung wird für beladen übergehende Behälter nach dem Reingewicht des in den Behältern verladenen Gutes berechnet. Für den leer übergehenden Behälter wird Übergangsvergütung nicht gewährt.


§ 20
Verkehr mit dem Ausland

(I) Im Verkehr mit ausländischen Bahnen, die im Anhang V aufgeführt sind, gelten für die gegenseitige Benutzung der behälter die Bestimmungen dieses Anhangs.

(II) Soweit die Verwendung von Behältern in internationalen Verkehren nach Anhang VI tariflich geregelt ist, gelten ferner die Bestimmungen dieser Tarife, wenn nach ihnen abgefertigt wird. Andernfalls sind auf der deutschen Strecke die Bestimmungen der Beh Vo, besonders für die Frachtberechnung und die Behältermiete, anzuwenden.

(III) Im Verkehr mit ausländischen Bahnen, die im Anhang V nicht aufgeführt sind, dürfen Behälter nur mit Genehmigung der Reichsbahndirektion verwendet werden..


§ 21
Abschlußbestimmungen

Diese Vorschrift tritt am 1. Juli 1935 in Kraft.
Die Vorschrift vom 1. Juli 1933 wird vom gleichen Zeitpunkt ab aufgehoben.

Anhänge und Anlagen
 
Anhang I (§ 5 (II)) Abmessungen und Gattungszeichen der Kleinbehälter
Anhang II (§ 6 (I)) Meldung, Ausgleich, Verteilung und Nachweis der Kleinbehälter
Anhang III (§ 10 (1)) Mietsätze für Behälter
Anhang IV (§ 12 (III)) Unterhaltung der Kleinbehälter
Anhang V (§ 20) Bestimmungen für die gegenseitige Benutzung von Behältern im Verkehr mit ausländischen Bahnen
Anhang VI (§ 20 (II)) Übersicht  über die tariflichen Regelungen des Behälterverkehrs mit dem Auslande
Anlage 1 (§ 6 (2)) Erklärung des Absenders bei Überlassung von Behältern (Formblatt 752 01)
Anlage 2 (§ 6 (2)) Benachrichtigung des Empfängers (Formblatt 752 02)
Anlage 3 (§ 7 (II)) Begleitschein für Behälter (Formblatt 752 03)
Anlage 4 (§ 7 (III)) Benachrichtigung des Überwachungs- oder Heimatbahnhof über Absendung von Behältern (Formblatt 752 04)
Anlage 5 (§ 16 (II)) Kontrollheft des Überwachungs- oder Heimatbahnhofs über Verwendung von Behältern (Formbltt 752 05)
Anlage 6 (§ 16 (III)) Nachforschung nach Behältern (Formblatt 752 06)
Anlage 7 (§ 17 (I)) Behälterverwendungsnachweis (Formblatt 752 07)
Anlage 8 (Anhang II § 1 (1)) Behälterbestellbuch (Formblatt 752 08)
Anlage 9 (Anhang II § 5 (1)) Behälterstellungsnachweis (Formblatt 752 09)
Anlage 10 (Anhang II § 5 (4)) Behälterstellungsnachweis des Wagenbüros (Formblatt 752 10)

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