| Bis zur Gründung
des Reichseisenbahnen am 1.April 1920 besaß jede der acht Länderbahnverwaltungen
in Deutschland (Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden,
Mecklenburg, Oldenburg und bis zum Ende des I.Weltkrieges Elsaß-Lothringen)
eigene Vorschriften zur Klassifizierung und Kennzeichnung ihrer Schienenfahrzeuge.
Selbst innerhalb der einzelnen Länderbahnen gab es historisch nicht
immer eine gradlinige Entwicklung bei den Fahrzeugbezeichnungen. Nach dem
Zusammenschluß der sieben im Deutschen Reich verbliebenen Staatsbahnen
war eine Vereinheitlichung dieser teilweise sehr unterschiedlichen Systeme
dringend geboten, um ein reibungsloses Zusammenwirken über die Ländergrenzen
hinaus zu ermöglichen und eine zentrale Leitung dieses hochkomplexen
Unternehmens der deutschen Bahnen aufbauen zu können. Immerhin galt
es 1920, einen Bestand von weit über 20000 Dampflokomotiven in mehr
als 350 Bauarten zu verwalten. Dabei gab es sowohl Bauarten, die in mehreren
tausend Exemplaren existierten als auch Einzelstücke. Das Problem
war so aufwändig, daß zu seiner endgültigen Realisierung
mehr als fünf Jahre benötigt wurden. Weitere Zeit verging, bis
sämtliche Fahrzeuge ihre neue Nummer auch tatsächlich angeschrieben
bekamen, in Bayern mindestens drei Jahre. In diesem Zeitraum sind bereits
viele Loks ausgemustert worden, für die im Umzeichnungsplan noch eine
neue Nummer vorgesehen war.
Bereits nach einem ersten vorläufigen Umzeichnungsplan aus dem Jahre 1922 war vorgesehen, die vorhandenen Lokomotivbauarten in Anlehnung an ihren Haupteinsatzzweck und ihre Achsfolge in 99 Baureihen zusammenzufassen. In Ergänzung zur Baureihe sollte ein Betriebsgattungszeichen weitere Auskunft über Hauptverwendung, Kupplungsverhältnis und Achsfahrmassen geben. Dieses erste System hatte jedoch den Hauptmangel, daß es für zukünftige Fahrzeug-Neuentwicklungen und technische Neuerungen (insbesondere die Erhöhung der Achsfahrmasse) zu wenig Spielraum vorsah. Deshalb wurde bereits ein Jahr danach der zweite voräufige Umzeichnungsplan erarbeitet, dessen Grundkonzeption dann auch später Verwirklichung fand. Danach waren die 99 zur Verfügung stehenden Stammnummern nach folgenden Hauptbereichen gegliedert: |
| Baureihen | Lokomotivtypen | Betriebs-
gattungs- zeichen |
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Schnellzuglokomotiven mit Schlepptender |
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Personenzuglokomotiven mit Schlepptender |
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Güterzuglokomotiven mit Schlepptender |
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Schnellzug- und Personenzugtenderlokomotiven |
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Güterzugtenderlokomotiven |
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Zahnradlokomotiven |
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normalspurige Lokalbahnlokomotiven |
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Schmalspurlokomotiven aller Spurweiten |
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| Die einzelne Lokomotive bekam eine drei-
oder vierstellige Ordnungsnummer zugewiesen, welche mit geringem Abstand
hinter der Baureihenbezeichnung angeschrieben wurde. Somit waren je Baureihe
9999 Fahrzeuge möglich; diese Kapazität wurde jedoch in keiner
Baureihe ausgeschöpft.
Zur Unterscheidung verschiedener Bauarten innerhalb einer Baureihe wurden die Tausender- und Hunderter-Stellen genutzt, so daß die Nummernreihen bei den Länderbahnbauarten meist nicht durchgängig besetzt waren. Bei den Schmalspurlokomotiven und teilweise auch bei Unterbauarten von normalspurigen Triebfahrzeugen wurden auch die Zehner-Stellen zur Unterscheidung herangezogen. Einheitlich in allen Baureihen sollten die Ordnungsnummern oberhalb 7000 für solche Fahrzeuge verwendet werden, deren Ausmusterung in absehbarer Zeit bevorstand, dennoch überlebten einige dieser Fahrzeuge sogar noch den II. Weltkrieg. Mit einer solchen Betriebsnummer nach diesem zweiten vorläufigen Umzeichnungsplan sind zwischen 1923 und 1925 nachweislich auch einige neugebaute Lokomotiven von den Herstellern an die Reichsbahn ausgeliefert worden, die dann nach 1925 nochmals eine neue Nummer bekommen haben. Es sind jedoch keine der vorhandenen Lokomotiven nach diesem Plan umgezeichnet worden. Im Jahre 1925 erfolgte dann eine letztmalige Überarbeitung des Planes in einer Reihe von Details, so daß in der zweiten Jahreshälfte mit der praktischen Umsetzung des dritten endgültigen Umzeichungsplans begonnen werden konnte. Im einzelnen wurden die Pläne für die Umzeichnung der einzelnen Länderbahnmaschinen wie folgt verabschiedet (in der letzten Spalte ist die Anzahl der ursprünglich im Plan erfaßten Fahrzeuge aufgezeigt): |
| 11.05.1925 | Lokomotiven der oldenburgischen Länderbauarten |
159
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| 15.05.1925 | Lokomotiven der mecklenburgischen Länderbauarten |
198
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| 20.05.1925 | Lokomotiven der badischen Länderbauarten |
751
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| 30.05.1925 | Lokomotiven der sächsischen Länderbauarten |
1508
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| 30.05.1925 | Lokomotiven der bayrischen Länderbauarten |
2375
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| 03.06.1925 | Lokomotiven der württembergischen Länderbauarten |
614
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| 05.09.1925 | Schnellzuglokomotiven der preußischen Länderbauarten |
961
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| 21.10.1925 | Personenzuglokomotiven der preußischen Länderbauarten |
3711
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| 11.12.1925 | Güterzuglokomotiven der preußischen Länderbauarten |
10554
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| 25.01.1926 | Personenzugtenderlokomotiven der preußischen Länderbauarten |
1732
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| 11.02.1926 | Zahnradlokomotiven der preußischen Länderbauarten |
31
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| 11.02.1926 | Schmalspurlokomotiven der preußischen Länderbauarten |
37
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| 28.02.1926 | Güterzugtenderlokomotiven
der preußischen Länderbauarten
ohne die Baureihe T141 |
4827
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| 25.05.1926 | Güterzugtenderlokomotiven der preußischen Baureihe T141 |
722
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| Da mit einem derart umfangreichen Vorhaben
wie der Umzeichnung von über 28000 Lokomotiven viele organisatorische
Fragen zu regeln waren, wurden nach Abschluß der Aufstellung der
Umzeichnungspläne 1926 noch endgültige "Richtlinien für
die Umzeichnung der Reichsbahn-Dampflokomotiven" erlassen.
Um die zukünftigen Neubeschaffungen (Einheitsbauarten) klar von den alten Länderbauarten abgrenzen zu können, wurden die Nummernbereiche mit dem dritten endgültigen gegenüber dem zweiten vorläufigen Umzeichungsplan nochmals gegliedert : |
| Lokomotivtypen |
Einheitsbauarten |
Länderbauarten |
| Schnellzuglokomotiven mit Schlepptender |
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| Personenzuglokomotiven mit Schlepptender |
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| Güterzuglokomotiven mit Schlepptender |
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| Schnellzug- und Personenzugtenderlokomotiven |
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| Güterzugtenderlokomotiven |
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| Zahnradlokomotiven |
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| Lokalbahnlokomotiven |
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| Schmalspurlokomotiven aller Spurweiten |
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| Diejenigen Lokomotiven, welche zur baldigen
Ausmusterung vorgesehen waren (Ordnungsnummern ab 7000) bekamen ihre Loknummer
lediglich in gelber Ölfarbe angeschrieben,
alle anderen Loks erhielten schwarze Blechschilder mit etwa 14cm hohen
aufgenieteten Ziffern. Diese Ziffern wurden im Laufe der Zeit in verschiedenen
Ausführungen verwandt, zeitweise in Messing, meist aber in Aluminium
und in unterschiedlichen Schriftformen. Bei den Übergangskriegs- (Kennzeichnung
durch "ÜK" hinter der Loknummer) und den Kriegs-Lokomotiven
wurde die Loknummer nur mit Schablonen weiß aufgemalt.
Die Loknummer wurde an vier Stellen am Fahrzeug angebracht:
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| © Thomas Noßke 1999 | www.epoche2.de |