Mit
der Bayerischen Zugspitzbahn wurde nach fast 25-jährigen Planungsarbeiten
und zweijährigen komplizierten Bauarbeiten unter Federführung
der AEG im Juli 1930 eine überaus interessante Bahnlinie in Betrieb
genommen, die ausschließlich dem Fremdenverkehr diente und dabei
trotz hohem Bau- und Unterhaltungsaufwand rentabel arbeitete. Im Bahnhof
Schneeferner-Haus erreicht die elektrisch betriebene Zahnradbahn eine Höhe
von 2650 m ü. d. M und überwindet damit von ihrem Ausgangsbahnhof
in Garmisch-Partenkirchen einen Höhenunterschied von 1950 m.
Im Zusammenhang mit der im Juli 1926 eröffneten Tiroler Zugspitz-Seilbahn
und der im Januar 1931 eröffneten Seilbahn vom Schneefernerhaus auf
den Gipfel des mit 2966 m ü. d. M. höchsten Berg Deutschlands
wurde die Fremdenverkehrs-Infrastruktur des Erholungsgebietes am Wetterstein
enorm aufgewertet durch eine Eisenbahnlinie, die bis heute nichts von ihrer
Anziehungskraft verloren hat.
Die Reichsbahn bot den zahlreichen Reise- und Schaulustigen aus dem
ganzen Deutschen Reich von Beginn an vielfältige Sonderfahrten
zu dieser landschaftlichen und technischen Attraktion an.
Auch andere großartige technische Besonderheiten lockten Tausende
von Besuchern an und wurden damit zu Zentren des Fremdenverkehrs. In diesem
Zusammenhang ganz besonders hervorzuheben sind die großen Talsperren,
die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Ihre
große Faszination ergibt sich für viele Menschen aus der Kombination
sehr unterschiedlicher Faktoren. Die begeisternde Fähigkeit der Ingenieure,
mit technischen Mitteln die Naturgewalten zu bändigen, steht dabei
im Vordergrund und wird ideal ergänzt durch die Einbeziehung reizvoller
Landschaften. Daß Hochwasserschutz und Gewinnung elektrischer Energie
nebenbei noch zur Bildung neuer Ausflugslandschaften in Form von großen
Stauseen beitrugen, vergrößert die touristische Anziehungskraft
der Staudämme, welche ohnehin schon allein durch die gewaltigen Abmessungen
dieser bis dahin ungewohnten Bauwerke hervorgerufen wird. So verwundert
es nicht, daß sich diese technischen Kunstbauten schnell zu Besuchermagneten
entwickelten. Es entstanden neue Verkehrswege zu den Staudämmen, welche
oft auch für das jeweilige Umland die fremdenverkehrstechnische Erschließung
bedeuteten. An der bis heute größten deutschen Talsperre, der
1932 fertiggestellten Saaletalsperre Bleiloch, wurde sogar die ursprünglich
zum Bau der Staumauer errichtete Eisenbahnlinie nach deren Fertigstellung
für den Personenverkehr, also für den Ausflugsverkehr genutzt.
Ein hübsches Beispiel dafür, wie bereits Jugendliche an diese
faszinierenden Bauten herangeführt wurden und dabei gleichzeitig das
Umland kennen lernen sollten, zeigt der kleine Reichsbahn-Prospekt "Billiger
Schüler-Sonderzug von Weißenfels an die Hohenwartesperre"
aus dem Jahre 1938.
Andere
außergewöhnliche Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr
in der Zeit der Weimarer Republik waren die international beachteten Großveranstaltungen
und Ausstellungen. Zu nennen sind da beispielsweise die Eisenbahntechnische
Ausstellung im Herbst 1924 in Seddin südlich von Berlin, die Deutsche
Verkehrsausstellung im Sommer 1925 in München sowie die Gesolei
im Herbst 1926 in Düsseldorf. Diese "Ausstellung für Gesundheitspflege,
Soziale Fürsorge und Leibesübung", die in der zeitgenössischen
Presse deutschlandweit als das Ereignis des Jahres gefeiert wurde, ist
auch von der Deutschen Reichsbahn zur Darstellung ihrer vielfältigen
und beispielhaften sozialen Aktivitäten zum Wohle der Eisenbahner
genutzt worden. Gleichzeitig war sie Anlaß zahlreicher Besucher-Sonderzüge aus dem ganzen Deutschen Reich.
Ebenso wurden große Sportveranstaltungen wie die Deutschen
Turnfeste (1908 Frankfurt/M., 1913 Leipzig, 1923 München, 1928
Köln, 1933 Stuttgart, 1938 Breslau) zunehmend von der Eisenbahn für
die Einlegung von Sonderzügen genutzt. Natürlich wurden auch
zu den XI.Olympischen Spielen 1936 durch die Reichsbahn preisgünstige
Sonderzüge von verschiedenen Orten nach Berlin gefahren.
Im
Sommer 1930 zog die Eröffnung des Hygienemuseums und die Internationale
Hygieneausstellung viele Interessierte nach Dresden, wofür die
Reichsbahn auch wieder Sonderzüge einsetzte. Die ab 1924 jährlich
im Spätsommer in Berlin stattfindenden Funkausstellungen waren
ein ebensolcher Publikumsmagnet, da das damals neue Medium Rundfunk Millionen Menschen in seinen Bann zog.
Als 1935 der hundertste Jahrestag der ersten Deutschen Eisenbahnfahrt
begangen wurde, stellte sich die Reichsbahn selbst dem aus nah und fern
kommenden Publikum in einer großartigen Ausstellung in Nürnberg dar.
Diese Massenveranstaltungen zogen auch viele interessierte Besucher
aus dem Ausland an, welche ebenfalls hauptsächlich mit der Eisenbahn anreisten.
Die abwechslungsreichen deutschen Küstenlandschaften waren und
sind auch heute noch für viele Erholungssuchende von großem
Interesse. Die beliebten Inseln Sylt und Rügen waren aber mit der
Eisenbahn nicht durchgängig erreichbar und die seit 1876 bestehende
Eisenbahnverbindung zur Insel Usedom mit einer Drehbrücke über
die Peene genügte den modernen Verkehrsanforderungen schon lange nicht mehr.
Sylt besaß zudem durch die Abtretung von Teilen Schleswigs an
Dänemark nach 1919 keine ständig befahrbare Tiefwasserrinne zum
deutschen Festland mehr.
Drei große Eisenbahnbauprojekte sollten die Erreichbarkeit dieser
Inseln für den Fremdenverkehr deutlich verbessern.
Am 1. Juni 1927 konnte der Hindenburgdamm zur Insel Sylt nach
mehrjährigen schwierigen Bauarbeiten in Betrieb genommen werden. Interessanterweise
trug der Damm eine reine Eisenbahnverbindung ohne eine weitere Straße.
So etwas wäre heute unvorstellbar und beweist den hohen Stellenwert,
den die Eisenbahn in dieser Zeit besaß. Westerland auf Sylt konnte
nun ohne Umsteigen von Hamburg und mittels Kurswagen aus ganz Deutschland
direkt und unabhängig von den Gezeiten erreicht werden.
Die technisch hoch interessante Hubbrücke von Karnin stellte
ab 1934 eine neue leistungsfähige Eisenbahnverbindung mit der Insel
Usedom her. Die Seebäder Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin
und Zinnowitz lagen nun verkehrstechnisch vor der Haustür Berlins,
was natürlich den Ausflugs- und Urlaubsverkehr in die "Badewanne der
Reichshauptstadt" immens beflügelte.
Der Rügendamm und die für die Schifffahrt zu öffnende
Ziegelgrabenbrücke über den Strelasund wurden 1936 eingeweiht
und verbanden fortan das Schienennetz auf Deutschlands größter
Insel direkt mit dem Festland. Das war für die Reichsbahn nicht nur
eine Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Angebote im Reiseverkehr.
Der Frachtverkehr von und nach Schweden über die bestehende Fährverbindung
Saßnitz-Trelleborg bekam gleichfalls neue Möglichkeiten.