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Ringvorlesung "Natürlich gesellschaftlich?" im WS 17/18

Natürlich gesellschaftlich? – Lebenswissenschaft als Herausforderung der Geschlechterforschung

 

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Die Veranstaltungsreihe friendly fire Feministische Aushandlungen zwischen Vereinnahmung und Emanzipation präsentiert

14.11.2017 I Kirsten Achtelik

Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung

Sollen Feministinnen jede Art von Abtreibung verteidigen? Können Entscheidungen überhaupt selbstbestimmt getroffen werden? Welche Art von Wissen entsteht durch pränatale Untersuchungen? Dienen sie der Vorsorge oder sind sie behindertenfeindlich?
Kirsten Achtelik lotet in ihrem Vortrag das Spannungsfeld zwischen den emanzipatorischen und systemerhaltenden Potenzialen des feministischen Konzepts „Selbstbestimmung“ in Bezug auf Abtreibung aus. So mischt sie sich in die aktuellen feministischen Debatten um reproduktive Rechte ein, die mit den zunehmenden Aktivitäten und Demonstrationen von „Lebensschützern“ wieder aufgeflammt sind.
Zugleich ist es ihr Anliegen, einer neuen Generation von Aktivistinnen und Aktivisten die Gemeinsamkeiten und Konflikte der Frauen- und Behindertenbewegung sowie die inhaltlichen Differenzen zwischen Frauen mit und ohne Behinderung verständlich zu machen. Vor allem aber stellt sich Achtelik der dringend zu klärenden Frage, wie ein nicht selektives und nicht individualisiertes Konzept von Selbstbestimmung gedacht und umgesetzt werden kann.

28.11.2017 I Dr. Eva Sänger

Vergnügen, Angst und Routine – Ultraschall in der Pränataldiagnostik

Die Geschlechterforschung hat aufgezeigt, wie lebenswissenschaftliches Wissen diskursiv erzeugt und popularisiert wird und zur Aufrechterhaltung somatisch fundierter binärer Zweigeschlechtlichkeit beiträgt. In meinem Vortrag frage ich nach der Produktion angewandten klinischen Wissens und den damit verbundenen Regulierungsweisen von Geschlecht. Die situierte Praxis der Sichtbarmachung ungeborener Körper während Ultraschalluntersuchungen in der medizinischen Schwangerenvorsorge fasse ich in Anlehnung an die im Feld der Science and Technology Studies verortete Kulturanthropologin Annemarie Mol als eine Dimension ontologischer Politik auf. Auf der Grundlage teilnehmender Beobachtungen zeige ich auf, wie ungeborene Körper im Ultraschallraum als zweigeschlechtlich differenzierte Körper sichtbar gemacht und Schwangere und begleitende Männer als parental differenzierte Eltern subjektiviert werden.

12.12.2017 I Dr. Heiko Stoff

Die kommenden Geschlechter. Experimentelle und utopische Vermännlichungen und Verweiblichungen um 1900

Seit dem späten 19. Jahrhundert lässt sich beiderlei beschreiben: unermüdliche Versuche die absolute Alterität von zwei Geschlechtern lebenswissenschaftlich zu beweisen, aber ebenso utopische, sexualpolitische und experimentelle Versuche, Geschlecht als eine variable und prinzipiell intersexuelle Kategorie zu konstituieren, wenn nicht sogar die Kategorie Geschlecht selbst aufzuheben. In diesem Vortrag liegt der Fokus auf den Diskursen und Praktiken, die zur langen Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert etabliert worden sind, um Geschlechter umzuwandeln, eine Vielfalt an Geschlechtertypen herzustellen und die Möglichkeit einer neuen zukünftigen Geschlechterordnung zu verkünden. Dies wird gezeigt anhand utopischer Romane, den Vermännlichungs- und Verweiblichungsoperationen Eugen Steinachs sowie Magnus Hirschfelds These der Existenz von 43 046 721 Sexualtypen.

09.01.2018 I Lisa Krall

Gender in Naturwissenschaften? Natur(-wissenschaften) in Gender Studies!

In der Geschlechterforschung beschäftigen sich viele mit der Analyse von Geschlechterverhältnissen oder dem Wandel von Geschlechterordnungen und fokussieren dabei häufig gesellschaftliche Perspektiven. Doch hat sich auch ein Feld etabliert, das Naturwissenschaften ins Zentrum der (Geschlechter-)Forschung stellt. Hier wird beispielsweise gefragt, auf welchen Geschlechterbildern die Naturwissenschaften basieren und wie somit bestimmte Stereotype und Geschlechterrollen geprägt und Geschlechterwissen produziert werden. Dass Naturwissenschaften nicht losgelöst von gesellschaftlichen Vorstellungen existieren, soll im Vortrag anhand von Beispielen aus Epigenetik und Neurowissenschaften verdeutlicht werden. Neben einer kritischen Betrachtung wird es zudem darum gehen, welche Potenziale für nicht-binäre Konzepte jenseits tradierter Stereotype außerdem in naturwissenschaftlichen Arbeiten zu finden sind.

Die Ringvorlesung ist eine öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Projekts FEM-Power an der Hochschule Merseburg. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!