Bundeskonferenz Sexuelle Bildung und Flucht

Bundeskonferenz "Sexuelle Bildung und Flucht"

Die Bundeskonferenz „Sexuelle Bildung und Flucht“ fand am 26.-27. September 2019 in Naumburg (Saale) statt.

 

Sollte Ihnen eine Teilnahme an der Bundeskonferenz nicht möglich gewesen sein, stellen wir Ihnen gern die Video-Aufzeichnung der Plenum-Vorträge zur Verfügung. Sie finden die Aufzeichnung unter dem folgenden Link:

https://youtu.be/Bw1ROyinXAA.

 

Rund 180 Fachkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Österreich und der Schweiz, die in Beratungsstellen, Vereinen oder Universitäten mit geflüchteten Menschen arbeiten, kamen in Naumburg zusammen.

Themen wie Liebe und Partnerschaft, Sexualität, die eigene geschlechtliche Identität und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern gehören zum Menschsein elementar dazu. Trotzdem herrscht in sexualpädagogischen Fachkontexten oft Unsicherheit darüber, wie diese Themen auch mit geflüchteten Menschen behandelt werden können. Die Bundeskonferenz „Sexuelle Bildung und Flucht“ hat deshalb in Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Filmvorträgen Wege zu einer gelingenden Sexuellen Bildung im Kontext Flucht aufgezeigt. Die Konferenz bündelte herausragende Expertise aus Theorie und Praxis: Die Hochschule Merseburg ist mit den deutschlandweit einzigartigen Studiengängen in Angewandter Sexualwissenschaft und Sexologie führend auf dem Gebiet der Sexuellen Bildung. Der Burgenlandkreis wiederum hat als bisher einziger Landkreis in Deutschland ein umfassendes Konzept zur Sexuellen Bildung im Kontext Flucht erarbeitet und umgesetzt und konnte dabei viele Erfahrungen in der Arbeit mit  Fachkräften, Einrichtungen und Geflüchteten zum Thema Sexualität sammeln.

Das Programm mit allen Vorträgen, Referent*innen und Workshops finden Sie hier.

Workshops

Sexualität ist ein wesentliches Grundthema des Menschseins, das immer eng mit der eigenen Identität verknüpft ist. Menschen lernen dabei von Anfang an eine Vielzahl von oft unausgesprochenen gesellschaftlichen Regeln und Normen zum Thema. Im Kontakt mit Menschen aus unbekannten Gesellschaften können dabei Welten aufeinandertreffen und Unsicherheiten in der Begegnung entstehen.

Was bedeutet dies für den Migrationsprozess? Was braucht es für eine gelingende Begegnung? Wie kann das Thema Sexualität unter Berücksichtigung der sexuellen Selbstbestimmung aller Beteiligten aufgegriffen werden?

In diesem Workshop sollen die eigenen Werte und Selbstverständlichkeiten erforscht und methodische Möglichkeiten für das Gespräch über Sexualität erprobt werden.

 

Workshopleitung: Karoline Heyne (freie Referentin für Sexuelle Bildung und Sexualpädagogik)

Sexualpädagogische Themen sind ein Aufgabenfeld der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Doch stellen diese im Kontext von Flucht noch einmal andere Herausforderungen an die Geflüchteten und die sie begleitenden Mitarbeitenden.

Pubertät und bis dahin nicht oder anders organisierte Sexualaufklärung, Fragen der Verhütung und Familienplanung sowie der Beziehungsgestaltung und gelebten Sexualität gehören dazu. Auch Erfahrungen sexueller Grenzverletzungen und Gewalt, sowie geschlechts- und sexualitätsspezifische Fluchtgründe können von Bedeutung sein.

Nach einer kurzen Einführung in unsere Haltung in der Arbeit zu sexualitätsbezogenen Themen sollen unsere Erfahrungen in der sexualpädagogischen Arbeit mit jungen Geflüchteten vorgestellt und diskutiert werden. Anschließend bleibt Raum und Zeit für den Austausch der Erfahrungen und Fragestellungen der Teilnehmenden. Wie können sexuelle Themen professionell angesprochen werden? Welches Wissen ist hilfreich, um die Zielgruppen gut begleiten zu können?

 

Workshopleitung: Helge Jannink (Institut für Sexualpädagogik Hamburg/Berlin)

Frauen und Mädchen werden sehr oft in Zeiten des Krieges oder der Besatzung, systematisch sexuellen(sexualisierten) Gewalt ausgesetzt, um die Gegenseite zu demütigen oder gefügig zu machen. Dieser bewusste Prozess der Erpressung und Einschüchterung soll die Frauen in einem ständigen Zustand der Angst und Unsicherheit halten. Geflüchtete Frauen und Mädchen sind nicht nur auf dem Fluchtweg erneut der Gefahr sexualisierten Gewalt ausgesetzt, sondern auch hier z.B. in Gemeinschaftunterkünften oder Ankerzentren. Viele Frauen berichten über strukturelle oder sexualisierte Gewalt. Allein die Androhung sexueller Gewalt lähmt und schränkt die Bewegungsfreiheit dieser Frauen und Mädchen enorm ein.
In diesem Workshop sollen folgende Fragen diskutiert werden:

  1.  Welche Barrieren bzw. Hindernisse existieren in Deutschland für Frauen*/Mädchen* mit Fluchtgeschichte, um vor sexualisierter Gewalt geschützt zu werden?
  2.  Worauf muss in der Prävention sexualisierter Gewalt mit Frauen* mit Fluchtgeschichte besonders geachtet werden?
  3.  Welche Forderungen haben Frauen mit Fluchtgeschichte in Bezug auf Prävention sexualisierter Gewalt und was braucht es für eine gute Versorgung?


Workshopleitung: Dr. Delal Atmaca und DaMigra Mut Macherinnen Team Sachsen-Anhalt

Zanzu ist ein mehrsprachiges Portal zu verschiedenen Aspekten der sexuellen Gesundheit und stellt umfassende Informationen bereit zu den Themen Körper, Familienplanung / Schwangerschaft, Infektionen, Sexualität, Beziehungen und Gefühle sowie Rechte und Gesetze. Zanzu wurde gemeinsam entwickelt von der BZgA und der belgischen Nichtregierungsorganisation Sensoa und steht seit 2016 mit inzwischen 13 Sprachen zur Verfügung. Das Portal adressiert in erster Linie Multiplikatoren, die Menschen beraten oder behandeln, die sich relativ neu in Deutschland befinden und (noch) kein Deutsch sprechen. Zanzu.de wird aber ebenso von der Endzielgruppe in Anspruch genommen, die sich sachlich und niedrigschwellig über die verschiedenen Themen informieren kann.

Der Workshop zeigt Einsatzmöglichkeiten von ZANZU in unterschiedlichen Kontexten und liefert Praxistipps für die Nutzung der Webseite in Beratungsgesprächen.

 

Workshopleitung: Diana Kostrzewski (BZgA)

Der Workshop widmet sich der Auseinandersetzung mit dominanten Bildern und medialen Diskursen über migrantische Männlichkeiten und die daraus abgeleiteten Bedrohungsszenarien einer als „fremd“ konstruierten Sexualität. Es wird der Suche nach Ursachen für vorurteilsbeladene Wahrnehmungen und den daraus resultierenden weitreichenden praktischen Folgen für alltägliche Interaktionen in der Migrationsgesellschaft nachgegangen. Davon ausgehend werden alternative Interpretations- und Handlungskonzepte diskutiert, die sich auch unter Einbeziehung intersektionaler Perspektiven entwickeln lassen.

Workshopleitung: Carina Großer-Kaya (Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. - LAMSA)

Das Thema sexualisierte Gewalt löst neben Gefühlen wie Angst, Wut, Schuld und Scham auch Sprach- und Hilflosigkeit aus. Hierbei sind nicht nur die Betroffenen selbst zu berücksichtigen, sondern auch das zugehörige System von familiären und professionellen Bezugspersonen.

Ziel des Workshops ist es, die verschiedenen Aspekte traumasensibler Beratung kennenzulernen. Anhand eines Fallbeispiels setzen sich die Teilnehmenden mit den besonderen Bedürfnissen und Bedarfen traumatisierter Menschen auseinander.

Es werden Aspekte der Stressbewältigung und Selbstfürsorge als Handlungsstrategien für das Wiedererlangen von Selbstwirksamkeit in den Blick genommen.

 

Workshopleitung: Michaela Koch und Daniela Rackow (Wildwasser Halle)

Prävention und Intervention hängen miteinander zusammen. Ist für die Intervention bei sexualisierter Gewalt oft einigermaßen klar, was zu tun ist, gibt es in Bezug auf Prävention viele Fragen: Wo setzen wir am besten an? Wer muss mit ins Boot? Warum sollten gerade wir uns mit dem Thema auseinandersetzen? Wie sprechen wir die Eltern und die Kinder bzw. Jugendlichen bei Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt ein – oder beziehen wir sie gleich in die Entwicklung eines Schutzkonzeptes ein?

Gemeinsam mit Prof. Voß und Fr. Urban besprechen Sie Schritte zur Umsetzung eines Schutzkonzepts und damit verbundene Fragen.

 

Workshopleitung: Maria Urban und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß (Hochschule Merseburg)

Markt der Möglichkeiten

Machen Sie mit beim “Markt der Möglichkeiten”!

Während der Bundeskonferenz bieten wir Ihnen die Möglichkeit Ihre Institution, Verein oder Projekt sowie Ihre Erfahrungen, Konzepte und Strategien zu präsentieren. Nutzen Sie den „Markt der Möglichkeiten“ um Roll Up, Poster und/oder Informationsmaterialien auszustellen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme als Aussteller am „Markt der Möglichkeiten“ ist in der Tagungsgebühr inbegriffen, es entstehen Ihnen keine zusätzlichen Kosten.

Sie möchten sich am „Markt der Möglichkeiten“ beteiligen? Dann teilen Sie uns das bitte bei Ihrer Anmeldung mit.

Anmeldung und Kontakt

Kontaktperson
Anja Bergner
Projektmitarbeiterin
Raum: Ga/0/06
Telefon: +49 3461 46-2700

Aktuell

In Kooperation der Hochschule Merseburg und des Burgenlandkreises ist die Broschüre „Sexuelle Bildung in Einrichtungen. Ein interkulturelles und intersektionales Rahmenkonzept“ entstanden. Sie kann hier  heruntergeladen werden.

 

Anfahrt

Bundessprachenamt, Außenstelle Naumburg, Kösener Straße 52, 06618 Naumburg (Saale)

Diese Bundeskonferenz wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt.

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