Broschüre Wissenschaftlerinnen

Broschüre Wissenschaftlerinnen an der Hochschule Merseburg

Liebe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Liebe Leserinnen und Leser,

der Besuch von Hochschulen und Universitäten war bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts fast ausschließlich dem männlichen Geschlecht vorbehalten, Frauen in der Wissenschaft stellten eine Minderheit dar. Nur wenige Wissenschaftlerinnen konnten so zu Vorbildern für all die Studentinnen werden, die in den letzten Jahren an die Hochschulen strömten.

Lieselott Herforth, die erste deutsche Rektorin, war eine von Ihnen und ihre ungewöhnliche wissenschaftliche Karriere führte sie auch an die Hochschule Merseburg. Ihr Vater hätte es viel lieber gesehen, wenn seine Tochter Ärztin oder Lehrerin geworden wäre. Lieselott Herforth setzte sich jedoch gegen die gesellschaftlichen (Geschlechter-)Vorstellungen in der Wahl ihres Studiengangs durch und wurde Naturwissenschaftlerin. Den Schlüsselmoment für ihre mutige Entscheidung fand sie in der Biografie von Marie Curie. Später erinnerte sie sich: „Ich erhielt zum ersten Mal Einblick, was Forschen bedeutet, auch was Begeisterung, Zielstrebigkeit und Ausdauer bewirken können. Mein Studienwunsch stand damit endgültig fest: Mathematik und Physik.“ Schlüsselmomente wie diesen gibt es viele in den Biografien von Frauen in der Wissenschaft. Durch ihren Ehrgeiz und ihren Wissensdurst, die sie einst als Abiturientin bei Marie Curie bewundert hatte, ist Lieselott Herforth die ersten Rektorin Deutschlands an der TU Dresden geworden. Die Förderung und die Motivation von Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen waren bei der Amtseinführung ein zentrales Ziel ihrer Amtszeit.

Die Zeiten, in denen die Meinung vorherrschte, dass Frauen nicht geeignet seien für eine Karriere in Forschung und Wissenschaft ist auch dank gezielter Frauenförderung mittlerweile vorbei. Auch wenn das Geschlechterverhältnis in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen noch immer sehr unterschiedlich verteilt ist, zeigen sich Erfolge der Gleichstellung auf allen Ebenen - von den Immatrikulationszahlen der Erstsemesterinnen bis hin zu der Zahl von Promotionsprojekten. Blickt man jedoch auf den Anteil von Frauen, die Professuren innehaben, verändert sich das Bild dramatisch und es liegt noch viel Arbeit vor uns. Es lohnt sich daher ein Blick auf all jene Wissenschaftlerinnen zu werfen, die diesen Weg bereits erfolgreich eingeschlagen haben.

Die vorliegende Publikation möchte daran mitwirken, die Hochschule Merseburg für Studentinnen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Professorinnen als einen gleichberechtigten Arbeits- und Forschungsort zu gestalten. Wenn sich Frauen dafür entscheiden, in die Wissenschaft zu gehen, ist es von großem Wert, Professorinnen als Vorbilder und Mentorinnen zu haben. Indem Professorinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Publikation gemeinsam „ins Gespräch“ kommen, werden unterschiedliche Erfahrungen von Frauen in der Wissenschaft sichtbar. Die ausgewählten Biographien der Professorinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen sind dabei so vielfältig, wie die Wege, die sie in die Wissenschaft geführt haben. Jedes einzelne Interview zeugt davon, dass der Weg einer Karriere als Wissenschaftlerin möglich ist und nicht allein gegangen werden muss.

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