Warum braucht es Wissenschaftsfreiheit
Warum ist für Sie ganz persönlich Wissenschaftsfreiheit wichtig?
Seit dem Beginn meines Ingenieurstudiums bin ich ein leidenschaftlicher Angehöriger der weltumspannenden scientific community in einem demokratisch verfassten Staat. Dies bedeutet für mich meinen wissenschaftlichen Interessen folgen zu können – ohne Sorgen vor Bevormundung bezüglich meiner Fragestellungen und Methoden, ohne Einflussnahme auf meine Ergebnisse, stets im respektvollen transparenten Erkenntniswettstreit und im unvoreingenommenen internationalen Austausch.
Ohne die Offenheit des Wissenschaftssystems und die Autonomie der Hochschulen wäre beispielsweise die Weiterentwicklung der früheren Fachhochschulen zum neuen Typ der angesehenen, forschungsstarken Hochschulen der angewandten Wissenschaften nicht denkbar.
Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken für Wissenschaftsfreiheit?
Auf der einen Seite droht die Einschränkung individueller Forschungs-, Lehr- und Lernfreiheit durch eine zunehmende Einflussnahme auf „unliebsame“ Forschungsaktivitäten – seien es beispielsweise die Erforschung des Klimawandels, der geschlechtlichen Selbstbestimmtheit oder von gesellschaftlichen Umbrüchen.
Darüber hinaus wird die institutionelle Autonomie von Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Ganzes infrage gestellt, um im Eigeninteresse politischen Einfluss auf deren Arbeitsweisen und Ausrichtungen zu nehmen oder einfach nur Ressentiments gegenüber Wissenschaft populistisch auszunutzen.
Wie setzen Sie sich in Ihrer Arbeit für ihren Erhalt ein?
In erster Linie setze ich mich dafür ein, dass die seriöse wissenschaftliche Arbeit an den akademischen Einrichtungen öffentlich wahrgenommen, respektiert und wertgeschätzt wird. Hochschulen sollen nicht nur weltoffen gegenüber allen bildungsinteressierten Menschen sein, sondern genauso unvoreingenommen und ansprechbar für alle Angehörigen der sie umgebenden Gesellschaft. Die Öffentlichkeit muss darüber in Kenntnis gesetzt werden, nach welchen Regeln die wissenschaftliche Freiheit stets dafür sorgt, bestehendes Wissen durch Erkenntnisgewinn zu erneuern. Daneben gilt es, dass die Kultur der Weltoffenheit und des unvoreingenommenen Austauschs weiterhin den Raum für Meinungsfreiheit und respektvollen Diskurs bietet.
Warum ist die Freiheit der Wissenschaft für die Gesellschaft relevant?
Die unermüdlichen Infragestellungen und die Innovationskraft freier Wissenschaft sind ein Grundpfeiler für den gesellschaftlichen und auch materiellen Fortschritt. Ebenso sind Erkenntnistreue und wissenschaftliche Integrität unverzichtbar, um die Herausforderungen einer Welt zu bewältigen, die vom beschleunigten Klimawandel und wachsenden globalen Ungleichheiten geprägt ist.
Gleichzeitig darf Wissenschaft nicht nach ihrem Nutzen bewertet werden, ihre Anerkennung und Unabhängigkeit bilden selbst unverzichtbare Indikatoren einer freien pluralen Gesellschaft.

In erster Linie setze ich mich dafür ein, dass die seriöse wissenschaftliche Arbeit an den akademischen Einrichtungen öffentlich wahrgenommen, respektiert und wertgeschätzt wird. Hochschulen sollen nicht nur weltoffen gegenüber allen bildungsinteressierten Menschen sein, sondern genauso unvoreingenommen und ansprechbar für alle Angehörigen der sie umgebenden Gesellschaft. Die Öffentlichkeit muss darüber in Kenntnis gesetzt werden, nach welchen Regeln die wissenschaftliche Freiheit stets dafür sorgt, bestehendes Wissen durch Erkenntnisgewinn zu erneuern.Prof. Dr. Markus Krabbes
Rektor
