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Das KAT-Projekt feiert am 11. Juni in Magdeburg runden Geburtstag

Das Bild zeigt Herrn Prof. Kirbs auf dem Fußballplatz
Bildnachweis: Christian Auspurg
11.06.2026

Seit zwei Jahrzehnten steht das Kompetenznetzwerk für Angewandte und Transferorientierte Forschung (KAT) für die erfolgreiche Vernetzung von Hochschulen und Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Die Hochschulen Anhalt, Harz, Magdeburg-Stendal und Merseburg bündeln im KAT ihre Kompetenzen, um den Wissens- und Technologietransfer zu stärken, Innovationen voranzutreiben und die regionale Wirtschaft bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu unterstützen. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens, welches am 11. Juni mit vielen Vertreterinnen und Vertretern aus Hochschulen, Ministerien, Wirtschaft und Transfernetzwerken gefeiert wird, werfen wir einen Blick zurück.


Würden Sie sich bitte kurz vorstellen und erläutern, in welcher Funktion Sie mit dem KAT-Projekt wann in Berührung gekommen sind?

Mein Name ist Jörg Kirbs, ich war über 30 Jahre an der Hochschule Merseburg als Professor tätig, davon u. a. 15 Jahre als Prorektor für Forschung, Wissenstransfer und Existenzgründung (1997 bis 2012) und 10 Jahre als Rektor (2012 bis 2022). Ich glaube, ich darf mich als denjenigen bezeichnen, der vor über 20 Jahren den Anstoß zum KAT-Projekt gegeben hat. Ich habe mir während meiner Tätigkeit als Prorektor, oft gemeinsam mit meiner damaligen Mitarbeiterin Frau Dr. Patz, die Frage gestellt, warum der Wissenstransfer von Hochschulen in die Wirtschaft und Gesellschaft trotz guter Voraussetzungen manchmal nur schleppend funktioniert. 

"Die Unternehmen benötigen Wissen, um Geld zu generieren und die Hochschulen benötigen Geld, um Wissen zu generieren. Ich habe die Gründe, warum es trotzdem nicht reibungslos funktioniert, oft publiziert und will hier nur kurz darauf eingehen: Wissenstransfer funktioniert über Köpfe und dazu müssen die Vertreter und Vertreterinnen aus den Unternehmen und der Hochschulen an einem Tisch sitzen."

Da das in der Regel rein zufällig ist, wenn man sich auf Tagungen, Workshops oder privat trifft, passiert das viel zu selten. Deshalb hatte ich die Idee, die ich Anfang der 2000er Jahre mit dem damaligen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unseres Bundeslandes Manfred Maas diskutierte, an den Fachhochschulen (heute HAWs) eine Person zu installieren, deren ausschließliche Aufgabe es ist, Unternehmen aufzusuchen, deren Probleme zu erkunden und dafür Lösungen aus dem Hochschulbereich anzubieten und Problemsteller und Problemlöser zusammenzubringen. Inhaltlich gab mir Herr Maas vollkommen Recht, aber es stellte sich die Frage der Finanzierung, da das Ministerium aus Kompetenzgründen finanziell nicht in den Hochschulbereich eingreifen durfte. Die Idee ließ mich aber nicht mehr los und so diskutierten wir oft im Kreis der Prorektoren für Forschung und Wissenstransfer darüber. Daraus entwickelte sich letztendlich der Gedanke für ein dafür geeignetes Kompetenznetzwerk, das Anfang 2006 mit Unterstützung des damaligen Kultusministeriums gegründet wurde und dessen Sprecher ich von 2006 bis 2012 sein durfte. „Gründungsväter“ waren die damaligen Prorektoren Prof. Dr. Heribert Münch (Hochschule Magdeburg-Stendal), der mich in meiner Sprecherfunktion unterstützte, Prof. Dr. Frieder Stolzenburg und Prof. Dr. Ulrich Fischer-Hirchert (Hochschule Harz; dort fand während der Gründungsphase des KAT ein planmäßiger Amtswechsel statt) sowie seitens der Hochschule Anhalt der Leiter des Forschungs- und Technologietransferzentrums Dr. Wilfried Hänisch. Unterstützt wurden wir seitens des Kultusministeriums durch Herrn Dr. Gerhard Wünscher.


Welche positiven Effekte hatte das KAT-Projekt auf die Arbeit an der Hochschule?

Die in der angewandten Forschung aktiven Professorinnen und Professoren wurden aktiv unterstützt (sowohl finanziell als auch personell) und teilweise von „lästigen Routinearbeiten“ entlastet, sodass sie mehr Zeit für ihre eigentliche Forschungsarbeit hatten. Die Drittmittelquote der Hochschule Merseburg konnte spürbar verbessert werden. Eine Erhebung, die wir im KAT einige Jahre nach dessen Gründung durchführten, ergab dass mit jedem Euro an KAT-Förderung rund zehn Euro Drittmittel generiert wurden.


Welche positiven Effekte hatte das KAT-Projekt für die Region?

Deutlich mehr Unternehmen profitierten von nun an von den Hochschulen des Landes. Dies betraf besonders die Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die oft über keine eigenen Forschungskapazitäten verfügten. Unser Projekt half bei Problemlösungen. Aufgabe des KAT war und ist es auch, gerade die KMU bei der Implementierung und Anwendung moderner Verfahren und Technologien (3D-Druck, Lasertechnik usw.) zu unterstützen, was einen sehr positiven Effekt für die Region hat.


Können Sie sich an ein bis zwei besondere KAT-Projekte erinnern, die Ihnen als Leuchttürme in Erinnerung geblieben sind?

Da wäre an erster Stelle das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Großprojekt „Innovative Braunkohlenintegration in Mitteldeutschland (ibi)“ zur Entwicklung neuer Strategien für die rein stoffliche Verwertung der Braunkohle unter besonderer Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu nennen. In diesem Projekt mit einem Finanzvolumen von mehr als 20 Millionen Euro kooperierten zahlreiche Unternehmen, Institutionen sowie Hochschulen Mitteldeutschlands. Die Hochschule Merseburg war mit dem Teilprojekt „Katalytische Spaltung von Braunkohle“ unter Leitung von Prof. Dr. Mathias Seitz beteiligt. Die labortechnischen Voraussetzungen dafür wurden über das KAT generiert. Ein weiterer Leuchtturm rankte sich um das Thema „Rapid Prototyping“. In einer Seminarreihe, die sich vor allem an KMU richtete, wurden die additiven Verfahren zur Herstellung von Prototypen und Funktionsmodellen direkt aus 3D-CAD-Daten vorgestellt. Daraus entwickelte sich später ein EFRE-geförderter ego.Inkubator zur Unterstützung von Existenzgründungen auf diesem Gebiet. Heute erfährt der 3D-Druck als wichtigstes additives Verfahren in vielen Bereichen zunehmend an Bedeutung.


Gibt es eine Anekdote, die Sie uns anlässlich von „20 Jahre KAT“ gern erzählen möchten?

Die Geschichte zur Entstehung des Namens „KAT“ ist sehr amüsant. Ich hatte im Vorfeld der Gründung des KAT des Öfteren mit dem damaligen Rektor der Hochschule Merseburg, dem Chemiker Prof. Dr. Heinz W. Zwanziger über die Idee gesprochen. Nachdem er verstanden hatte, dass wir den Transferprozess zwischen Hochschule und Wirtschaft „beschleunigen“ wollen, fiel ihm dafür sofort ein Begriff aus der Chemie ein: Katalysator oder kurz KAT. Damit war der Name für das Netzwerk gefunden.

Herzlichen Dank für das Interview! 

www.kat-netzwerk.de

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