Wo kann Künstliche Intelligenz sinnvoll eingesetzt werden – und wo gibt es bessere Lösungen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Frank Nussbaum, der zum Wintersemester 2026/27 die Professur für Angewandte Künstliche Intelligenz an der Hochschule Merseburg übernommen hat.
Frank Nussbaum studierte Mathematik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einer Vertiefung in Informatik und Maschinellem Lernen. Anschließend promovierte er im Bereich Maschinelles Lernen. Vor seinem Wechsel an die Hochschule Merseburg war er beim Photonikkonzern Jenoptik Teil eines KI-Teams, das unter anderem die Einführung lokaler generativer KI im Unternehmen vorantrieb.
Nachhaltiger und verantwortungsvoller Einsatz von KI
An der Hochschule Merseburg möchte Nussbaum einen Schwerpunkt auf die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit legen. Neben ökologischen Fragen, etwa dem Strom-, Wasser- und Materialbedarf von Rechenzentren, interessieren ihn insbesondere die sozialen Auswirkungen der Technologie. Wie verändert KI die Entscheidungsfreiheit des Menschen, die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und zwischenmenschliche Beziehungen? Daraus ergeben sich weitere Forschungsfragen zur Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI sowie zur Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen.
Entscheidend ist für ihn, KI nicht von vornherein als Lösung zu betrachten, sondern zunächst das konkrete Problem zu analysieren. Ein Beispiel aus seiner bisherigen Praxis zeigt diesen Ansatz: Bei einer Anwendung zur automatischen Defekterkennung in der Industrie erwies es sich als sinnvoller, regelmäßige Gitterstrukturen zu nutzen, statt ein komplexes KI-Modell zu trainieren.
„Angewandte Künstliche Intelligenz bedeutet für mich, KI kompetent als Werkzeug zu nutzen und ihren Einsatz in Prozessen bewusst zu bewerten und zu gestalten“, erklärt Nussbaum. Entscheidend sei, wie und wofür die Technologie eingesetzt werde.
Diese Perspektive möchte er auch in die Lehre einbringen. Studierende sollen lernen, Möglichkeiten und Grenzen von KI realistisch einzuschätzen, Ergebnisse kritisch zu bewerten und mit technologischen Veränderungen umzugehen. Neben KI-Kompetenzen spielen für ihn auch Selbstorganisation, Netzwerken und die persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle.
Zusammenarbeit mit Praxispartnern stärken
Auch Kooperationen mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Praxispartnern spielen für Nussbaum eine wichtige Rolle. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für Forschungsaktivitäten und bieten Studierenden Zugang zu praxisnahen Netzwerken.
Für seine Arbeit an der Hochschule Merseburg hat sich Nussbaum einiges vorgenommen. Er möchte KI-Kompetenzen stärken und gemeinsam mit Studierenden und Partnern der Frage nachgehen, wie sich Bildung und berufliche Anforderungen durch Künstliche Intelligenz verändern. Dabei will er nicht nur technologische Entwicklungen begleiten, sondern auch deren Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaft in den Blick nehmen. „Es geht um eine ganzheitliche Entwicklung“, betont Nussbaum. „Um genau das für zukünftige Generationen vorzudenken und zu ermöglichen, bin ich Professor geworden.“
