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Dr. Patrick Hirsch

Nachhaltige Kunststoffe im Fokus: Neuer Honorarprofessor an der Hochschule Merseburg

Dr. Patrick Hirsch verstärkt als Honorarprofessor die Lehre im Bereich Polymerwerkstoffe an der Hochschule Merseburg. Im Interview spricht er über seine Forschung zu nachhaltigen Kunststoffen, die enge Zusammenarbeit mit der Industrie und darüber, was er Studierenden mit auf den Weg geben möchte.

 

Seit wann sind Sie Honorarprofessor an der Hochschule Merseburg?

Die Ernennung erfolgte im Rahmen der internationalen Konferenz polymertec26 am 17. Juni an der Hochschule Merseburg. Für diesen besonderen Rahmen möchte ich mich noch einmal bei den Organisatoren und der Hochschulleitung bedanken.

 

Wie ist die Honorarprofessur zustande gekommen?

Eine Honorarprofessur wird von der Hochschule bestellt. Das Verfahren erfolgte vergleichbar mit einer regulären Professur - mit einer entsprechenden Kommission, externen Gutachten und einer Probevorlesung. In diesem Rahmen habe ich einen Vortrag zum Thema „The importance of bioplastics in relation to the circular economy and ecology” gehalten, der meine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte gut widerspiegelt.

Was ist das Besondere an einer Honorarprofessur?

Als Honorarprofessor ist man kein angestellter oder verbeamteter Professor der Hochschule, sondern bringt seine Lehre im Ehrenamt in den Stundenplan mit ein. Ziel ist es, die Hochschule aktiv zu unterstützen, das Lehrangebot zu ergänzen und sich auch in Forschung und Transfer einzubringen. Ich freue mich, hier meinen Beitrag leisten zu können.

 

Waren Sie davor auch schon an der HoMe tätig?

Ich bin bereits seit dem Jahr 2016 als Lehrbeauftragter und zeitweise auch als Lehrkraft für besondere Aufgaben im Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften tätig. In dieser Zeit habe ich verschiedene Vorlesungen, Seminare und Praktika im Bereich der Polymerwerkstoffe, Kunststofftechnik und Kunststoffverarbeitung betreut. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Lehre im internationalen Masterstudiengang Polymer Materials Science, den die Hochschule in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität in Halle anbietet. Darüber hinaus bin ich in Merseburg im Bachelorstudiengang Chemie- und Umwelttechnik mit einer Lehrveranstaltung vertreten.

 

Ü

 

Was machen Sie neben Ihrer Tätigkeit als Honorarprofessor?

Hauptberuflich bin ich am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur IMWS in Halle tätig, wo ich eine Arbeitsgruppe zum Thema nachhaltige Werkstoffe und Prozesse leite. Wir arbeiten eng mit der Industrie an werkstofflichen oder verfahrenstechnischen Lösungen, um Kunststoffprodukte nachhaltiger zu machen. Dabei geht es häufig um den Einsatz von Rezyklaten oder Biokunststoffen. Entscheidend ist dabei die direkte Umsetzbarkeit im industriellen Maßstab. Kunststoffe basieren traditionell stark auf fossilen Rohstoffen und sind schwer abbaubar. Der Wandel zu nachhaltigen Polymeren ist deswegen wichtig, um z.B. Müllberge zu reduzieren, den CO₂-Ausstoß zu senken und eine echte Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

 

An welchen Themen forschen Sie gerade, um die Entwicklung hin zu nachhaltigeren Polymeren voranzutreiben und welche Potenziale haben biobasierten und recycelte Kunststoffe?

Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Kreislauffähigkeit von Kunststoffen, insbesondere von Biokunststoffen. Auch biobasierte Kunststoffe können und sollten recycelt werden, um ihren Anteil kontinuierlich erhöhen und ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Im Vergleich zu konventionellen petrochemischen Kunststoffen ergibt sich daraus in der Regel ein Vorteil beim CO₂-Fußabdruck. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regionale Wertschöpfungskette: Im Idealfall wächst der Rohstoff für den Biokunststoff in der Nähe der Herstellung und Verarbeitung. Neben dem klassischen mechanischen Recycling gewinnen aktuell neue Technologien wie das enzymatische Recycling an Bedeutung, die ich spannend und zukunftsweisend finde. Zudem ist die biologische Abbaubarkeit wichtig. Etwa dann, wenn Materialien nicht mehr recycelt werden können oder gezielt in die Umwelt eingebracht werden. Zu diesen Themen gibt es eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten zu den Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich INW und erste Projektideen.

 

Wie gelingt es Ihnen, Ihre Tätigkeit für das Fraunhofer IMWS mit der Lehre an der Hochschule zu verbinden?

Man muss sich gut organisieren, um die Vielzahl an Terminen in eine normale Arbeitswoche zu bekommen. Da ich bereits seit vielen Jahren in der Lehre tätig bin, gelingt mir diese Verbindung gut. Fachlich bietet die Anbindung an die Hochschule eine exzellente Ergänzung, wertvolle Grundlagen- und Vorlaufforschung für die Skalierung am Fraunhofer IMWS zu ermöglichen. Gleichzeitig ist der Austausch mit Studierenden und Lehrenden für mich sehr bereichernd.

 

Was wollen Sie den Studierenden mitgeben?

Ich möchte vor allem meine Begeisterung für Kunststoffe im Allgemeinen und Biokunststoffe im Speziellen vermitteln. Gerade der Standort Merseburg mit den umliegenden Chemieparks und seinen Unternehmen lebt seit fast 100 Jahren von diesen Materialien. Damit das auch in Zukunft so bleibt, brauchen wir neue Konzepte und Lösungen. Biokunststoffe können hier eine wichtige Alternative sein. Dazu gehört dann auch, dass man an den angrenzenden Themengebieten wie Biologie, Biotechnologie, Chemie oder Umwelttechnik interessiert ist. Meine Empfehlung ist daher der oft zitierte Blick über den Tellerrand.

 

Welche drei Dinge dürfen in Ihrem Arbeitsumfeld auf keinen Fall fehlen?

Ich arbeite gern mit motivierten Menschen, die auch unkonventionell denken. Damit dies effizient wird, sind elektronische Hilfsmittel wie Notebook und Smartphone unverzichtbar. Wenn dann noch eine Maschine zur Kunststoffverarbeitung in der Nähe ist, bin ich in meinem Element!

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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