Kulturpädagogische und Künstlerische Projektarbeiten 2026
Jährlich im Sommersemester präsentieren Studierende des sechsten Semesters des Studiengangs Kultur- und Medienpädagogik (KMP) ihre kulturpädagogischen und künstlerischen Projektarbeiten. Die aufwendig konzipierten Projekte werden in vielfältigen Formaten wie Theaterworkshops, Audiofeatures, Fotoausstellungen, Videos oder Hörspielen umgesetzt. Viele von ihnen greifen persönliche Anliegen sowie soziale, politische oder gesellschaftliche Fragestellungen auf und machen diese kreativ erfahrbar und begreifbar.
Fäden der Erinnerung: Handarbeit, Frauenleben und Oral History in der DDR
Stricken, Nähen, Häkeln: Was heutzutage wieder ein beliebtes Hobby unter jungen Menschen ist, war in der DDR ein fester Bestandteil des schulischen Alltags. In ihrem Projekt „Fäden ziehen“ beschäftigten sich Anna Klawonn, Salla Lotte Lohe und Lena Knaack mit der Rolle von Frauen im Kontext praktischer Arbeit in der DDR und gingen der Frage nach, warum Handarbeit heute wieder einen „Boom“. Anna, Salla und Lena begeistern sich selbst für Strick-, Näh- und Häkelarbeiten und haben aufgrund ihrer ostdeutschen Wurzeln persönliche Berührungspunkte mit dem Thema Handarbeit. Besonders spannend fanden sie, dass Handarbeit besonders in der DDR als Kunst- und Kulturform häufig an nachfolgende Generationen weitergegeben wurde.
„Mit unserem Projekt möchten wir die Lebensrealitäten von Frauen sichtbar machen, die in der DDR aufgewachsen sind. Dabei interessiert uns insbesondere der Stellenwert von Handarbeit sowie die damit verbundenen Zuschreibungen weiblich sozialisierter Personen. Bisher haben wir dieses Thema weder in Dokumentationen noch in Ausstellungen oder ähnlichen Formaten wiedergefunden und fanden es deshalb besonders spannend, mit Oral History zu arbeiten und den Frauen selbst eine Stimme zu geben.“
Mithilfe von „Oral History“, also der mündlich überlieferten Geschichte, führten sie Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, zeichneten diese auf und werteten sie anschließend aus, um den Frauen selbst eine Stimme zu geben. Das Projekt verdeutlicht vor allem Wertschätzung gegenüber den Menschen, die Handarbeit leisten. Gleichzeitig macht es die Mehrfachbelastungen sichtbar, unter denen insbesondere die als „emanzipiert“ geltende Frau in der DDR stand. Die Ergebnisse wurden in Form einer Ausstellung umgesetzt, bei der die Studentinnen mit Oral-History-Aufzeichnungen, Collagen, genähten Alltagsausschnitten und Fotografien arbeiteten. Das Ausstellungsformat ermöglichte es, die Vielschichtigkeit des Themas sichtbar zu machen und eine multidimensionale ästhetische Erfahrung zu schaffen.
Die Zielgruppe der Arbeit ist eine breite Öffentlichkeit mit Interesse an den Themen Handarbeit, Feminismus und Politik. Sie reicht von Schülerinnen und Schülern bis hin zu Rentnerinnen und Rentnern. Zudem ist geplant, die Ausstellung auch in Halle zu zeigen, um den beteiligten Frauen Sichtbarkeit zu verleihen und ihre Lebensgeschichten wertzuschätzen.


