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Wissenstransfer - Erfahrungsaustausch - Diskussion

Feierlicher Fachkongress "Sinnlich-konkret – achtsam-sensibel" am 24. und 25.04.2020 an der Hochschule Merseburg

- ABGESAGT!-

Schweren Herzens und mit großem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Fachkongress „Sinnlich konkret – Achtsam sensibel“ am 24./25.04.2020 nicht stattfinden wird. Aufgrund der aktuellen Situation und Entwicklung bezüglich des Corona-Virus wird der Fachkongress an der Hochschule Merseburg abgesagt. Gleiches gilt für das Alumni-Treffen am 23.04.2020.

Die Veranstaltung soll in anderer Form im 2. Halbjahr 2020/ 1. Halbjahr 2021 stattfinden. Der Termin wird demnächst bekannt gegeben.

Wir bitten um Ihr Verständnis!

 

Sexuelle Selbstbestimmung und Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus sexualwissenschaftlicher Forschung und Praxis.

Der Dialog zwischen Prävention sexualisierter Gewalt und sexualitätsbejahender Forschung, Lehre und Bildung leitet die sexualwissenschaftliche Arbeit des Lehr- und Forschungsbereichs Angewandte Sexualwissenschaft an der Hochschule Merseburg. Im Frühjahr 2020 stehen zwei wichtige Ereignisse an: Der Abschluss des BMBF-geförderten Forschungsprojekts „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“ und die Verabschiedung von Prof. Dr. Konrad Weller, der die sexualwissenschaftliche Arbeit in Merseburg wesentlich mitgeprägt hat. Anlässlich dieser beiden Ereignisse veranstaltet die Hochschule Merseburg am 24. und 25. April 2020 einen zweitägigen Kongress, zu dem wir Sie und Euch bereits jetzt ganz herzlich einladen. Am Abend des 23. April ist ein Alumni-Treffen der Studiengänge „Angewandte Sexualwissenschaft“ und „Sexologie“ vorgesehen. Der Kongress wird am 24. April 2020 um 12.00 Uhr eröffnet und endet am 25. April 2020 gegen 15.00 Uhr.

Sinnlich konkret und achtsam sensibel sollen Vertreter_innen unterschiedlicher Generationen, Denkrichtungen und Ansätze der Sexualwissenschaft und Sexuellen Bildung zusammenkommen, um zu diskutieren, zu resümieren und zu erleben. Anregende Fachvorträge von Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Feldern werden eingebettet in sinnlich-konkrete und achtsam-sensible Methoden- und Materialpräsentationen sowie Workshopangebote. Wir freuen uns als Keynote-Speaker Dagmar Herzog (New York) und Elisabeth Tuider (Kassel) ankündigen zu können. Für weitere Beiträge haben u.a. Gunter Schmidt, Kurt Starke, Uwe Sielert und Ulrike Busch zugesagt. Freuen Sie sich auf diese und die weiteren Beiträge.

 

Programm

1. Tag: 24.04.2020 (Freitag)

Moderation: Heinz-Jürgen Voß

ab 11.30 Uhr    Ankommen und Anmeldung zum Kongress

12.15 Uhr          Begrüßung und Einführung in das Programm

12.30 Uhr          Grußworte

13.00 Uhr          Keynote I: EnterotisierteWelt? Die US-amerikanische #metoo-Bewegung und ihre Kritiker*innen (Dagmar Herzog, City University of New York)

13.50 Uhr          Pause

14.15 Uhr          Keynote II:  (Elisabeth Tuider, Universität Kassel)

15.00 Uhr          Workshops

18.00 Uhr          Zusammenführen der Workshop-Ergebnisse

18.30 Uhr          Ende Tag 1

20.00 Uhr          Abendprogramm: Tagungsfest*

* Bei der Abendveranstaltung im Schloßgartensalon Merseburg erwartet Sie nach einem Sektempfang eine Live-Band, leckeres (auch veganes) Essen sowie eine humoristische Impro-Einlage. Es gibt ausreichend Zeit fürs Netzwerken und Austauschen.

 

2. Tag: 25.04.2020 (Samstag)

Moderation: Esther Stahl

9.00 Uhr            Begrüßung

9.15 Uhr            Zur Würdigung Konrad Wellers

  • Gunter Schmidt, Kurt Starke und Gustav-Wilhelm Bathke

9.45 Uhr           Keynote III: Vom Aufstieg und Fall der Verhandlungsmoral (Konrad Weller, Hochschule Merseburg)

10.30 Uhr         Pause

11.00 Uhr         Parallele Panels

12.45 Uhr        Mittagspause

13.45 Uhr        Zur Würdigung Konrad Wellers

  • Uwe Sielert und Frank Herrath
  • Ulrike Busch und Harald Stumpe
  • Anja Henningen

14.30 Uhr       Ausblick: Sexualwissenschaft in Merseburg in den kommenden Jahren (Maika Böhm und Heinz-Jürgen Voß)

15.00 Uhr      Verabschiedung und Ende des Kongresses

 

*Änderungen/Ergänzungen vorbehalten

Workshops

Am 24.04.2020 ist von 15.00-18.00 Uhr das Arbeiten in den Workshops geplant, wobei es zwei Workshop-Phasen gibt. Sie haben die Möglichkeit in jeder Workshop-Phase an einem Workshop teilzunehmen. Ausnahmen sind die Workshops 1, 2 und 3, die jeweils beide Workshop-Phasen umfassen.

15.00-16.20 Uhr Workshop-Phase 1WS1WS2WS3WS4WS6WS8WS10WS12
16.40-18.00 Uhr Workshop-Phase 2WS5WS7WS9WS11WS13

Workshops

Bereits voll belegt!

24.04.2020, 15.00 - 18.00 Uhr (Workshopphase 1+2)

Sexocorporel - achtsam, sinnlich, verspielt: Eine kleine Einführung mit praktischen Übungen

Dieser Workshop bietet eine Gelegenheit, auf spielerische Art und Weise die einzelnen Elemente und Therapieansätze des Sexocorporel kennen zu lernen. Sexocorporel ist ein Modell sexueller Gesundheit, das die wichtigsten Komponenten, welche in unserer Sexualität interagieren, untersucht. Jede emotionale und kognitive Regung bewirkt eine körperliche Veränderung und jede körperliche Veränderung  beeinflusst die Wahrnehmung. Die einfachen Übungen zeigen die Übersetzung der Theorie in die Praxis und bieten einen Einblick in die Arbeitsweise nach Sexocorporel.

 

Workshopleitung:

Zuzana Schenk-Gehrig studierte Ernährung und Diätetik an der Berner Fachhochschule und den Masterstudiengang Sexologie der Hochschule Merseburg (in Kooperation mit dem ISP Uster). Sie ist als Sexualtherapeutin in Zürich tätig und absolviert parallel dazu die 3. Stufe der Ausbildung zur Klinischen Sexologin am ZISS und die Ausbildung Systemische Sexualtherapie bei Prof. Ulrich Clement.

24.04.2020, 15.00 - 18.00 Uhr (Workshopphase 1+2)

In diesem Workshop darf und wird sich bewegt! Wir stellen uns die Frage, ob das Medium Tanz eine Möglichkeit ist sich dem eigenen Körper anzunähern und erarbeiten gemeinsam in welcher Form es das sexologische Arbeiten bereichern kann. Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist die Lust daran miteinander in einen bewegten Austausch zu gehen. Konkret bedeutet das, wir werden Tanzen, Improvisieren, gemeinsam Erarbeiten.

Die Masterarbeit „Körper-Tanz-Sexualität […]“ beschäftigte sich mit dem Gegenstand der weiblichen sexuellen Selbstsicherheit, als Konstrukt des Modells Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Dabei wurde die Einflussnahme des choreografierten Tanzes auf die weibliche sexuelle Selbstsicherheit untersucht.

Die wissenschaftlichen Meilensteine der Masterarbeit werden als theoretischer Input im Rahmen des Workshops aufgearbeitet und in Form von Impulsvorträgen dargestellt. Der Aufforderung von Pina Bausch folgend, „Tanzt, tanzt sonst seid ihr verloren“, werden wir Folge leisten und einzelne Sequenzen des choreografischen Arbeitens im Rahmen der Masterarbeit umsetzen und ergänzen. Um uns wissenschaftlich nicht zu „verlieren“ werden wir die methodische Relevanz des Tanzes für das sexologische Arbeiten gemeinsam erörtern.

 

Workshopleitung:

Christin Gemoll absolvierte 2019 ihrem Masterabschluss in Sexologie - Sexualberatung und sexueller Gesundheit. Sie ist darüber hinaus staatlich anerkannte Diplom Sozialarbeiterin und systemische Beraterin und arbeitet unter anderem als Fachberaterin. In ihrem 2018 gegründeten Projekt „rabbits“ berät sie Menschen zu Fragen der Sexualität, Partnerschaft und dem eigenen Körperempfinden. Methodisch fokussiert sie das Medium Tanz. In ihrer verbleibenden Zeit unterrichtet sie Pole Dance und genießt das Eintauchen in einen körperlichen sowie tänzerischen Ausdruck und der Visualisierung von Musik.

Sarah Mielke ist Absolventin der Nahoststudien und orientalischer Archäologie (BA) und seit 2019 Studentin der Medieninformatik an der HTW Dresden. Sie ist leidenschaftliche Tänzerin mit Erfahrungen im klassischen Tanzausdruck, Jazz und Modern über Pole Dance bis hin zu Mobility Work. Sie begeistert sich für improvisatorischen Bewegungsausdruck und wird im Workshop bei den Bewegungseinheiten assistieren.

24.04.2020, 15.00 - 18.00 Uhr (Workshopphase 1+2)

In diesem Workshop machen wir Sexualität nach Geburt zum Thema! Gemeinsam blicken wir dabei auf das postpartale Erleben von Frau*sein im Spannungsfeld von Begehren, Mutterschaft und Geschlecht. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie elternschafts- und sexualitätsbezogene Werte wollen wir hierbei kritisch beleuchten. Außerdem widmen wir uns dem aktuellen Forschungsstand und der Gestaltung von Beratung zu Sexualität nach Geburt (u.a. durch Hebammen).


Workshopleitung:

Clara Eidt, freiberuflich praktizierende Hebamme seit 2013; B.Sc. Gesundheit & Pflege Katholische Hochschule Mainz 2015; M.A. Angewandte Sexualwissenschaften Hochschule Merseburg 2019; Mitglied der Nachwuchsforscher*innengruppe "Politiken der Reproduktion" am Graduiertenkolleg der Universität Gießen)

24.04.2020, 15.00 - 16.20 Uhr (Workshopphase 1)

Dieser Workshop ist zweigeteilt und präsentiert einerseits kognitiv Informationen zur Sexualität von trans* Personen und vermittelt andererseits wie Angebote der sexuellen Bildung für erwachsene trans* Personen praktisch gestaltet werden können.

Im ersten Teil präsentiert Jonas Hamm Ergebnisse aus Literatur und seiner eigenen Studie zur gelebten Sexualität von trans* Personen. Für seine Masterarbeit (ASW) hat er trans* Personen, die keine Genitalangleichung anstreben, zu ihrer gelebten Sexualität interviewt und aus ihren Erzählungen Ressourcen und Lernprozesse herausgefiltert.

Im zweiten Teil stellt Alexander Hahne Auszüge aus der Workshopreihe "My Genital Future" vor. Alexander Hahne ist Sexualpädagoge (gsp) und Bodyworker und arbeitet dabei auch mit trans* Personen zu ihrer gelebten und ungelebten Sexualität. Alexander Hahne stellt verschiedene Methoden vor. Eigenes körperpraktisches Antesten ist mit eingeschlossen, wir bleiben dabei angezogen.

Der Workshop richtet sich an Fachkräfte aus Sexualwissenschaft, -pädagogik und sexueller Bildung, unabhängig von der eigenen geschlechtlichen Verortung.

 

Workshopleitung:

Alexander Hahne, Sexualpädagoge (gsp), arbeitet im Bereich sexuelle Bildung, Leiter von Workshops rund um die Themen Körpererfahrung und Bewegung, Trainer für trans* spezifische Sensibilisierungsarbeit z.B. bei der Deutschen Aidshilfe. Medizinischer Fitnesstrainer, langjährige Erfahrung und Fortbildung in Tanz und kreativen Ausdrucksformen (u.a. Ballett, New Dance, Butoh, Body-Mind-Centering, Kickboxen, MMA, Playfight_Queerfight). www.alexanderhahne.com

Jonas Hamm, M.A. Angewandte Sexualwissenschaft, systemischer Berater (DGSF). Jonas arbeitet als systemischer Peer-Berater in der Inter* und Trans* Beratung Queer Leben in Berlin. Nebenberuflich gibt er Workshops und Seminare zum Thema Transgeschlechtlichkeit. Seine Spezialgebiete sind Gesundheit, Recht, Beratung und Sexualität. Als Fachperson und als Aktivist setzt er sich für Ent-Pathologisierung und Empowerment ein. Dazu gehört auch, Mythen über Sexualität zu dekonstruieren und Raum für neue Erzählungen zu schaffen.

24.04.2020, 16.40 - 18.00 Uhr (Workshopphase 2)

Deutschrap – über kaum ein anderes Musikgenre wird hierzulande mehr diskutiert. Von YouTube-Kommentarspalten bis zum Feuilleton: Jede*r scheint die eigene Meinung teilen zu wollen. Meist geht es dabei um Männer – Frauen dürfen darüber sprechen, wie es ist, eine Frau zu sein (oder den Feminismus erklären). Welche Perspektiven gibt es jenseits dieser binären Norm? Und was hat es mit der Metapher des Fickens auf sich? Ist es möglich, sich diese macht- und z.T. gewaltvolle Bildsprache positiv anzueignen? Gemeinsam wollen wir diesen und anderen Fragen auf den Grund gehen.

 

Workshopleitung:

Anne Fekete, Dipl. Sozialarbeiterin; Angewandte Sexualwissenschaftlerin (M.A.)

Bereits voll belegt!

24.04.2020, 15.00 - 16.20 Uhr (Workshopphase 1)

Achtsamkeit ist eine Grundvoraussetzung für das "Wohnen im eigenen Körper" und für die sexuelle Selbstbestimmung. Achtsamkeitsmethoden stärken die ganzheitliche Wahrnehmung des Körpers, fördern ein positives und sinnliches Körpergefühl und unterstützen den inneren Bezug zu eigenen Wünschen und Grenzen - auch im Sexuellen.

In diesem Workshop lernen Sie achtsame Zugänge und niederschwellige körperorientierte Methoden für die sexuelle Bildung kennen. Außerdem beleuchten und diskutieren wir Zielgruppen, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die für "mehr Körper" im sexuellen Bildungskontext wichtig sind.

 

Workshopleitung:

Julia Sparmann, M.A.-Sexualwissenschaftlerin, klinische Sexologin (2. Stufe) und Dipl.Theaterpädagogin, ist als Sexualberaterin, in der sexuellen Bildung und Fortbildung tätig. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit und ihres wissenschaftlichen Interesses stehen Körperarbeit und ganzheitliche Zugänge im Kontext von Sexualberatung sexueller Bildung. Sie ist Autorin des Methodenbuchs "Lustvoll Körperwärts", das körperorientierte Methoden für die sexuelle Bildung von Frauen* zur Verfügung stellt.

24.04.2020, 16.40 - 18.00 Uhr (Workshopphase 2)

HIV und andere STIs konfrontieren uns nicht nur mit gesundheitlichen Fragen, sondern ebenso mit unseren persönlichen sowie gesellschaftlichen (Moral-)Vorstellungen und Ängsten in Bezug auf Sexualität. Im Workshop wollen wir diskutieren, welche moralischen, normativen und psychosozialen Bedeutungen HIV, STIs und Safer Sex inne haben und uns auf die Spur folgender Fragen begeben: Was genau heißt eigentlich heute Safer Sex? Ist Safer Sex super Sex? Wie sicher kann und sollte Sex überhaupt sein? Was bedeutet Selbst- und Fremdverantwortung im Bereich HIV und STI und wie kann eine „sinnliche Vernunft“ gelingen?

 

Workshopleitung:

Franziska Hartung (M.A. Angewandte Sexualwissenschaft) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena und forscht in Kooperation mit der deutschen Aidshilfe zu HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung im Forschungsprojekt „Positive Stimmen 2.0“. Sie hat in der HIV- und STI-Beratung im Gesundheitsamt Leipzig gearbeitet und ihre Masterarbeit über Schuldgefühle in der HIV-Beratung geschrieben.

24.04.2020, 15.00 - 16.20 Uhr (Workshopphase 1)

Im Workshop werden zunächst Ergebnisse der quantitativen Erhebung des BMBF-Forschungsprojekts „SeBiLe – Sexuelle Bildung für das Lehramt“ vorgestellt. Darauf aufbauend werden Grundlagen der schulischen Sexuellen Bildung und der Prävention sexualisierter Gewalt erläutert und Inhalte und Ziele sowie die vorgestellten Ergebnisse gemeinsam diskutiert und miteinander abgeglichen. Hintergrund sind die bisher zu geringen Angebote zur Sexuellen Bildung während der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die im Gegensatz zum Grundsatz der Schule als Bildungs- und Lebensraum und zum Schutz von Kindern- und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt stehen. Neben der Reflexion eigener Erfahrungen mit Ausbildungsangeboten oder bestehenden Bedarfen in verschiedenen Teilbereichen der Sexuellen Bildung werden Beispiele der methodischen Umsetzung von Lehrinhalten für die zukünftige Lehramtsausbildung und Lehrkräftefortbildung vorgestellt.

 

Workshopleitung:

Maria Urban, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Merseburg und ist in den beiden BMBF-Projekten »Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung« und »SeBiLe – Sexuelle Bildung für das Lehramt« tätig. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt konzentriert sich auf Sexuelle Bildung in Schulen und die Prävention sexualisierter Gewalt aus Lehrer*innenperspektive und insbesondere institutionelle Schutzkonzepte.

24.04.2020, 16.40 - 18.00 Uhr (Workshopphase 2)

Im Forschungsprojekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“ wurden SpFh im Hinblick auf ihre Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang mit Sexualität und sexualisierter Gewalt in ihrer täglichen Arbeit interviewt. Als wesentliche Herausforderung benannten die Fachkräfte Situationen, in denen der Verdacht besteht, dass sexualisierte Gewalt stattfindet oder dieser Verdacht sogar bestätigt ist und die übergriffige Person sich noch in der Familie oder dem familiären Umfeld befindet. In diesen Situationen erleben sich die Fachkräfte häufig in einem Dilemma. Im Workshop werden die Ergebnisse des Projekts zu diesen Aspekten detailliert vorgestellt und anhand von Interviewpassagen diskutiert.

 

Workshopleitung:

Katja Krolzik-Matthei forscht zweigleisig: Im BMBF-Projekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“ ist sie seit 2014 mit sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten befasst. Ihr zweiter Schwerpunkt liegt in der Erforschung historischer und aktueller Diskursivierungen der Abtreibung, insb. im deutschen Kontext und weitergehenden Fragen von Familienplanung und Reproduktion. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin und Sexualwissenschaftlerin (M.A. Angewandte Sexualwissenschaft).

Torsten Linke, Dr. phil., Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge, Sexualwissenschaftler M.A., langjährige Tätigkeit in Praxis, Lehre und Forschung Sozialer Arbeit, von 2016 bis 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Merseburg im BMBF geförderten Forschungsprojekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“, ab März 2020 Professur für Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Zittau/Görlitz.

24.04.2020, 15.00 - 16.20 Uhr (Workshopphase 1)

Noch immer ist der Mythos eines sogenannten 'Jungfernhäutchens', dass den Eingang der Vulvina verschließt und beim ersten penetrativen Geschlechtsverkehr unter leichter Blutung und Schmerzen zerreißt, weit verbreitet. Diese Vorstellung basiert allerdings auf falschen Überlieferungen und Fehlinformationen, stärkt Männerdominanz und greift in die sexuellen und reproduktiven Rechte auf angemessene Aufklärung und selbstbestimmte Sexualität ein. In diesem Workshop wollen wir endlich mit den Mythen und Missverständnissen rund um das Thema 'Jungfernhäutchen' aufräumen sowie gemeinsam schauen, was intersektional sensible sexuelle Bildung hierbei leisten kann.

 

Workshopleitung:

Rosa Bömelburg hat in Erfurt Erziehungswissenschaften und Lehr-, Lern- und Trainingspsychologie studiert, bevor sie letztes Jahr im September den Masterstudiengang 'Angewandte Sexualwissenschaften' abgeschlossen hat. In Ihrer Masterarbeit hat sie sich mit dem Mythos des Jungfernhäutchens auseinandergesetzt und eine Aufklärungsbroschüre in Leichter Sprache dazu erstellt.  Zurzeit arbeitet Rosa in der Schwangeren- und Schwangerschaftskonflitberatung unter anderem auch als Sexualpädagogin in einer Familienberatungsstelle in Freital.

24.04.2020, 16.40 - 18.00 Uhr (Workshopphase 2)

„Who’s your Womb?” ist ein Stempel-Spiel. Ihr könnt einem Uterus mit verschiedenen Stempeln von Augen, Nasen, Mündern und anderem einen Ausdruck bzw. ein Gesicht geben. Dieses Hohlorgan wird meistens sehr übergriffig behandelt und bleibt selbst dabei unsichtbar. Die Ausgangsfrage ist wie sich deine Gebärmutter fühlt, fühlen würde oder fühlte? In diesem Workshop kann diese Frage schnell und vielfältig beantwortet werden. Die Ausdrucke tragen wiederum zur Sichtbarkeit des Organs bei.

 

Workshopleitung:

Petra Mattheis arbeitet als Künstlerin und Fotografin in Leipzig. Sowohl Körperlichkeit als auch Sexualität spielen in ihren Arbeiten eine zentrale Rolle. Seit 2013 hat sie sich vermehrt mit Menstruation bzw. unserem Umgang mit dem monatlichen Blut auseinandergesetzt. Daraus entstanden neue Serien zum Uterus und seinem Bild in unserer Gesellschaft.

24.04.2020, 15.00 - 16.20 Uhr (Workshopphase 1)

Jul Gordon wird einige Beispiele zur Darstellbarkeit von Intimität in Comics zeigen. Anschließend werden wir einen kurzen Einstieg ins zeichnen unternehmen und versuchen, jeweils eigenen Wege zur Darstellung von Intimität zu entdecken. Dafür bittet Jul Gordon darum, dass die Teilnehmenden sich vor dem Workshop überlegen, was sie gerne in Comicform darstellen/erzählen würden und dies notiert oder im Kopf zum Workshop mitzubringen. Es sollte etwas sein, was zum Thema Intimität passt und geeignet ist, um es mit der Gruppe zu besprechen. Dabei steht es den Teilnehmenden frei, ob es eine persönliche Geschichte, etwas aus den Nachrichten oder eine Anekdote eines Freundes ist- oder auch gar keine Geschichte, sondern nur ein Thema oder eine Stimmung.

Bitte keine Scheu: Zeichnen können alle, man muß sich nur trauen!

 

Workshopleitung:

Die Comiczeichnerin Jul Gordon (*82) lebt in Hamburg, wo sie an der HAW Hamburg Illustration studiert hat. Sie zeigte und veröffentlichte ihre Arbeiten neben Deutschland in China, Japan, den USA und Frankreich und wurde zweimal für den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung nominiert. Letzte Veröffentlichungen sind UND - WAS HABTA JETZT VOR? , eine Sammlung von gezeichneten Träumen, Räuberpresse, 2019 und Le Parc, Editions NA, 2016. Infos: www.julgordon.de .

24.04.2020, 16.40 - 18.00 Uhr (Workshopphase 2)

In dem Workshop beschäftigen wir uns mit der Zielgruppe der Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Sexuellen Bildung. Wir befassen uns interaktiv mit sinnlich konkreten Materialien der Sexuellen Bildung und klären, welche Funktion Sexuelle Bildung im Schutz vor sexualisierter Gewalt haben kann.

 

Workshopleitung:

Esther Stahl ist Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Merseburg und dort zuständig für die Themen Schulsozialarbeit, Sexuelle Bildung für Menschen mit Beeinträchtigungen, Gender und Soziale Arbeit. Sie ist Sexualberaterin und systemische Beraterin (i. A.) und hat ihren Master als Sexualwissenschaftlerin.

Panels

Moderation: Maika Böhm

Beitrag 1:Was machen Jugendliche mit Sexts? Erste Analysen aus dem Forschungsprojekt SaferSexting

In dem Beitrag werden erste Analysen des (Teil-)Forschungsprojekt ‚SaferSexting – Perspektiven der Schüler*innen‘ vorgestellt. Das Projekt befasst sich am Beispiel der Zusendung und Veröffentlichung sexuell intimen Bildmaterials mit noch weitgehend unausgeleuchteten Zusammenhängen von Sexualität, sexuellen Grenzverletzungen, digitalen Medien und Schule. Es wird vom BMBF im Rahmen der zweiten Ausschreibung in der Förderlinie „Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten“ gefördert. Projekthomepage: https://www.uni-flensburg.de/zebuss/projekte/aktuelle-projekte/safersexting/

Christina Witz, Diplom-Psychologin und Sexualpädagogin (gsp), freiberufliche Dozentin am Institut für Sexualpädagogik (isp) sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „SaferSexting“ am Institut für Erziehungswissenschaften der Europa-Universität Flensburg. Derzeitige Arbeitsschwerpunkte: Sexualität und Digitale Medien, Sexuelle Gewalt, Sexualität und Flucht, sexualitätsbezogene Entwicklung.

 

Beitrag 2: "Alle Medien, wo man was verschicken konnte exen! Sofort!" - Herausforderungen sexualisierter Gewalt mit digitalem Medieneinsatz.

"Sexualisierte Gewalt, in deren Kontext digitale Medien zum Einsatz kommen, erhöht die Komplexität professioneller Interventionen tendenziell. Der Beitrag rekonstruiert auf der empirischen Basis Qualitativer Interviews mit Gewaltbetroffenen, spezialisierten Fachkräften sowie Beratungsdokumentationen besondere Anforderungen an einen adäquaten Umgang mit mediatisierter Gewalt."

Frederic Vobbe ist Professor für Soziale Arbeit an der SRH Hochschule Heidelberg. Er lehrt dort zu den Schwerpunkten Professionalisierung, Berufsethik, Devianztheorien und Soziale Probleme. Seit 2005 arbeitet er in den Bereichen Sexualpädagogik, Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt. Im BMBF-geförderten Projekt HUMAN erforscht er aktuell Handlungsstrategien zum Umgang mit sexualisierter Gewalt, in deren Kontext digitale Medien zum Einsatz kommen.

 

Beitrag 3: Mitmachnetz für alle*!? - Stigmatisierung, Marginalisierung und Stereotypisierung benachteiligter Gruppen in Social Media

Soziale Medien suggerieren einen vielfältigen, chancengleichen und selbstbestimmten Zugang und Dialog auf Augenhöhe im Rahmen eines vermeintlichen Netzpluralismus. Und dennoch sind bestimmte Menschengruppen in besonderem Ausmaß von Fremdzuschreibungen, Hassrede und Stereotypisierung betroffen. Welchen Einfluss das auf die Sozialisation, insbesondere von Mädchen und Frauen, nimmt und inwiefern diese gleichberechtigt und vielfältig in Social Media vertreten sind soll der Impulsvortrag kurz umreißen. Darüber hinaus soll ein kurzer Einblick in die zielgruppen- und handlungsorientierte Projektarbeit der Servicestelle Kinder- und Jugendschutz von fjp>media gegeben werden.

Jörg Kratzsch, Medienwissenschaftler (M.A.), ist Jugendschutzreferent der Servicestelle Kinder- und Jugendschutz von fjp>media. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen, insbesondere Anbetracht sogenannter "neuer Medien" und devianter Verhaltensweisen. Dabei beschäftigt er sich mit Themenfeldern, wie exzessiven Nutzungsmustern, Altersklassifizierung, Gewaltdarstellungen und Cybermobbing, aber auch mit Hate Speech, Rollenbildern und -stereotypen. Jörg Kratzsch ist Jugendschutzsachverständiger der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und Landesgruppensprecher der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) in Sachsen-Anhalt.

Moderation: Maria Urban

 

Beitrag 1: Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung – Ergebnisdarstellung mit Fokus SpFh (Sozialpädagogische Familienhilfe)

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Inhalte und Ergebnisse des Forschungsprojektes »Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung« an der Hochschule Merseburg. Das Projekt wurde von 2014 - 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie »Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten« gefördert. Die Projektarbeit fokussierte vor allem auf Fragestellungen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und Sexualität in den ambulanten Erziehungshilfen mit dem Ziel einer Stärkung der Professionalität von Fachkräften.

Torsten Linke, Dr. phil., Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge, Sexualwissenschaftler M.A., langjährige Tätigkeit in Praxis, Lehre und Forschung Sozialer Arbeit, von 2016 bis 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Merseburg im BMBF geförderten Forschungsprojekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“, ab März 2020 Professur für Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Zittau/Görlitz

 

Beitrag 2: Durch die Brille der Jugendlichen: Sichtweisen auf Sexualität und Gewalt.

Ankündigung folgt.

Anja Henningsen ist Diplompädagogin und seit 2019 Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Geschlechterkompetenz/Diversität an der Fachhochschule Kiel. Zuvor war sie Juniorprofessorin für Sexualpädagogik mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. In der BMBF-Förderlinie zu sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten ist sie in zwei Forschungsprojekten beteiligt: SchutzNorm (ein jugendpartizipatives Forschungsprojekt über Sexualität und Gewalt in ausgewählten Jugendarbeitskontexten) und ParPEM (einem Projekt zum Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Projekten der Förderlinie und Praxis). Anja Henningsen ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für Sexualpädagogik.

 

Beitrag 3: Kollektiver Umgang mit Sexualität, Nähe und Distanz – Ergebnisse einer qualitativen Studie über Teams in der Sozialen Arbeit

Welche sexualitätsbezogenen Berufserfahrungen schildern Teammitglieder aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit und welche Bedeutung kommt dabei ihren Kolleg*innen zu? Diesen Leitfragen ging eine qualitative Studie nach, die im Rahmen der Kasseler Juniorprofessur „Professionsethik mit dem Schwerpunkt Sexualität und Macht in Schule und Sozialer Arbeit“ durchgeführt wurde. Im Workshop werden ausgewählte Ergebnisse dieser Studie vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

Maximilian Schäfer, MA Soziale Arbeit, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Erziehungswissenschaft mit sozialpädagogischem Forschungsschwerpunkt an der Universität Osnabrück. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet „Professionsethik mit dem Schwerpunkt Macht und Sexualität in Schule und Sozialer Arbeit“ und am Fachgebiet „Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit und außerschulische Bildung“ an der Universität Kassel.

 

Beitrag 4: Wie viel Interventionskompetenz zu sexualisierter Gewalt braucht die sexuelle Bildungsarbeit?

Als Mitarbeiterin und Erwachsenenbildnerin in der Fachberatungsstelle Wildwasser Magdeburg e.V. beschäftigt sich Frau Hattermann mit der Perspektive und Dynamik von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Im Rahmen der Prävention gibt es den klaren Qualitätsstandard, dass Prävention nicht ohne Interventionskompetenz durchgeführt werden kann. Eine enge Verzahnung von Intervention und Prävention zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ist unerlässlich. Wie aber positioniert sich die Sexuelle Bildung? Was brauchen Betroffene im Rahmen von (sexueller) Bildungsarbeit?

Ines Hattermann, M.A. Erwachsenenbildnerin, Dipl. Heilpädagogin (FH), Trauma Pädagogin, Mediatorin, Leiterin der spezialisierten Fachberatungsstelle Wildwasser Magdeburg e.V. seit fast 15 Jahren

Moderation: Skadi Gless

 

Beitrag 1: Sexuelle Selbstsicherheit als Entwicklungsaufgabe nach Sexocorporel: Eine qualitative Untersuchung

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Sexuellen Selbstsicherheit nach Sexocorporel. Im Rahmen eines eigens konzipierten 8-wöchigen Online-Programms wurden sieben Frauen begleitet im Prozess zu mehr sexueller Selbstsicherheit. Das Programm beinhaltete hauptsächlich körperorientierte Übungsanleitungen zur Ausführung, auf die in dem Vortrag näher eingegangen wird. Auf die Ergebnisse können Sie gespannt sein!

Lara Flamme, jüngst gekürte Sexologin, ist in den USA geboren. In Stuttgart aufgewachsen und heute wieder aktuell wohnend, bietet sie selbstständig Sexualberatung an unter dem Praxisnamen “Der kleine Funken”. Sie macht nebenher ihren Heilpraktiker für Psychotherapie und plant im Sommer damit fertig zu sein.

 

Beitrag 2: Sinnliche Intimität - Berühren und berührt werden

Berühren und berührt zu werden ist ein Grundbedürfnis des Menschen, wodurch sowohl tiefe Entspannung und Bindungsgefühle als auch Erotik und sexuelle Erregung ausgelöst werden können. Die zentrale Bedeutung von achtsamer sinnlicher Berührung für die menschliche Sexualität wird in diesem Beitrag mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Tastsinn untermauert.

Susanna-Sitari Rescio ist klinische Sexologin MA nach Sexocorporel. Hinzu kommen zahlreiche weitere Aus- und Fortbildungen (Systemische Therapie, Körpertherapie, EFT u.a.). Sie ist Dozentin und Ausbilderin für werdenden Sexualberater*innen und Leiterin von Selbsterfahrungsgruppen, bei denen Achtsamkeit und Berührung im Zentrum stehen. Seit zwanzig Jahren ist sie als HP-PSY mit Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie in Hamburg tätig.

 

Beitrag 3: Fette Sexualität: Möglichkeiten positiven Körpererlebens dicker Menschen

Warum werden dicke_fette Menschen für ihre Körper abgewertet und wie wirkt sich das auf ihre Sexualität aus? Wie kann es gelingen, dass dicke_fette Menschen ein positives Körpererleben haben und wie kann sexuelle Bildung dabei unterstützen? Diese Fragen werden aus einer fett-akzeptierenden Perspektive beleuchtet und ein Überblick über die Geschichte und die Grundüberzeugungen des Fett-Aktivismus (Fat Acceptance, Fat Liberation) gegeben.

Eva Eggers ist Psychologin (M.Sc.) und befindet sich aktuell in der Weiterbildung zur systemischen Beraterin. Zusätzlich absolvierte sie den Master in angewandter Sexualwissenschaft (M.A.) und beschäftigte sich dabei in ihrer Abschlussarbeit mit fetter Sexualität und Fett-Aktivismus.

Moderation: Esther Stahl

 

Beitrag 1: Schwangerwerdenkönnen und körperliche Selbstbestimmung

Damit die Menschheit sich fortpflanzen kann, ist es notwendig, dass Menschen schwanger werden und gebären. Aber nur etwa die Hälfte von ihnen hat (potenziell) die Fähigkeit dazu. Diese biologische reproduktive Differenz bedarf gesellschaftspolitischer Regelungen. Welche Rechte und Pflichten ergeben sich aus einer Schwangerschaft - und welche nicht? Wie können Menschen, die selbst nicht schwanger werden können, Kinder „bekommen“?

Traditionelle Geschlechterordnungen haben diese Fragen zulasten von Menschen mit Uterus beantwortet. Als „Frauen“ wurden ihnen bestimmte Menschenrechte abgesprochen, insbesondere das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Reglementierte Sexualität, Geburtenkontrolle, Abtreibungsverbote und dergleichen garantierten eine gesellschaftliche Kontrolle über (potenziell) schwangere Körper.

Heute verlieren diese Regeln ihre Legitimität. Wir brauchen deshalb neue Strukturen des intergenerativen Zusammenlebens, die sowohl die Freiheit von Menschen, die schwanger werden können, achten, als auch den Bedürfnissen von Kindern nach Fürsorge und Stabilität gerecht werden.

Dr. Antje Schrupp ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin und lebt in Frankfurt am Main. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Zusammenhang von Geschlechterdifferenz und politischer Ideengeschichte und hat bisher vor allem über politisch engagierte Frauen und die Geschichte des Feminismus publiziert. In ihrem neuen Buch beschäftigt sie sich aber mit einem anderen Aspekt, und zwar mit dem Schwangerwerdenkönnen als politischer Herausforderung und der Frage, wie Körper, Geschlecht und Politik in dieser Frage zusammenhängen.

 

Beitrag 2: Reproduktive Selbstbestimmung heute am Beispiel Schwangerschaftsabbruch

Knapp 150 Jahre existiert in Deutschland eine strafrechtliche Sanktionierung des Schwangerschaftsabbruchs. Auch wenn der heutige § 218 eine deutlich reformierte Fassung darstellt, steht er doch im Widerspruch zum Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und beeinflusst die Wahrnehmbarkeit dieses Rechts auch praktisch auf sehr vielfältige Weise. Der Beitrag will den Hintergründen und den Wirkungen dieser Situation nachgehen und begründet die Notwenigkeit der  Streichung der  §§ 218/ 219 aus dem StGB.

Ulrike Busch: bis 2018 Professorin für Familienplanung an der Hochschule Merseburg Arbeitsschwerpunkte: Sozialwissenschaftliche Aspekte von Familienplanung, reproduktive Rechte und reproduktives Verhalten, insbesondere unter den Aspekten Verhütung, Schwangerschaften Minderjähriger, Schwangerschaftsabbruch und Schwangerschaftsberatung, Frühe Hilfen sowie Vertrauliche Geburt. Mitwirkung an verschiedenen (Forschungs-)projekten; zahlreiche Publikationen zum Themenspektrum, u.a. mit Prof. Daphne Hahn Herausgabe von „Abtreibung – Diskurse und Tendenzen“.

 

Beitrag 3: Das Projekt Kind und die Praktik der Abtreibung

In der neoliberalen Gesellschaft, die Luc Boltanski als „konnexionistische Welt“ bezeichnet, ist die Familienplanung zur „Projekt“planung geworden. Mittel und Methoden der Schwangerschaftsverhütung sind so sicher wie nie zuvor. Sie ermöglichen insbesondere Frauen in heterosexuellen Beziehungen Selbstbestimmung, verpflichten aber auch zur Übernahme von Verantwortung für die eigene Reproduktionsfähigkeit. Während die Möglichkeiten der Fruchtbarkeitskontrolle verlässlicher geworden sind, hat die Verlässlichkeit von Beziehungen abgenommen. Denn die zentralen Werte der konnexionistischen Welt, Mobilität und Aktivität, wirken aus der Arbeitswelt in Intimbeziehungen hinein. Der Umgang mit dem eigenen Kinderwunsch, vorhanden oder nicht, hat daher die Gestalt einer Managementaufgabe angenommen. Die Freiheit der Selbstbestimmung wird zum Zwang der Selbstverantwortung. Abtreibung als soziale Praktik bildet nach Ansicht Boltanskis ein Instrument zum Management des Projekts Familienplanung. Der Vortrag stellt dieses theoretische Konzept vor und unternimmt den Versuch, es aus ein feministisch-geschlechtertheoretischen Perspektive zu diskutieren.

Katja Krolzik-Matthei forscht zweigleisig: Im BMBF-Projekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“ ist sie seit 2014 mit sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten befasst. Ihr zweiter Schwerpunkt liegt in der Erforschung historischer und aktueller Diskursivierungen der Abtreibung, insb. im deutschen Kontext und weitergehenden Fragen von Familienplanung und Reproduktion. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin und Sexualwissenschaftlerin (M.A. Angewandte Sexualwissenschaft).

Künstlerisches Begleitprogramm

Imagining Desires: Bilder befragen – Begehren erkunden: Installation und Pausenpräsentation von Maria Dalhoff und Marion Thuswald

In der Installation und der Pausenpräsentation werden Materialien aus dem Projekt vorgestellt, die für Schule und Lehrer*innenbildung entwickelt wurden, Prozesse sexueller Bildung und Critical Visual Literacy zu fördern. Darunter:

  • Ein Bilderpool mit von Schüler*innen gesammelten sexuell konnotierten Alltagsbildern;
  • Stop-motion Erklärvideos zu Einvernehmlichkeit und Sexualität;
  • Videos von Spoken Word-Performances junger Künstler*innen, in denen es um Begehren, (kollektive) Liebe und Empowerment aus Perspektive Schwarzer Jugendlicher geht; die Publikation „Mit Bildern zu Lust und Begehren arbeiten. Kunst- und sexualpädagogische Methoden und Materialien für Schule und Lehrer*innenbildung“ (Schmutzer/Thuswald, im Erscheinen);
  • Zeichnungen zu Vorstellungen über Sexualität in der Kindheit (aus einem Workshop mit der Kinderbuchzeichnerin Christine Aebi);
  • Der Videoclip „SEX – BILDER – (V)ER_LERNEN“;
  • Material aus dem Folgeprojekt „Reflecting Desires“, in dem digitale Lehr- und Lernmittel zu Sexual- und Medienpädagogik entwickelt werden (noch in Arbeit) (www.imaginingdesires.at)

 

Maria Dalhoff arbeitet selbstständig als Sexualpädagogin, Erwachsenenbildnerin, Mediatorin und Trainerin für transformatorische Theatermethoden. Sie ist Traumapädagogin/traumaspezifische Fachberaterin und Mitarbeiterin der Wiener Fachstelle Selbstlaut – gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen und promoviert zu machttheoretischen Einbettungen sexueller Zustimmungskonzepte.

Marion Thuswald ist Sozialpädagogin und Bildungswissenschaftlerin und arbeitet als Universitätsassistentin am Institut für das künstlerische Lehramt / Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind sexuelle Bildung und Kunstpädagogik, Critical Diversity und pädagogische Professionalisierung sowie qualitative und partizipative Forschung. Sie promoviert zu sexualpädagogischer Professionalisierung in der Lehrer*innenbildung.

 

Anmeldung und Kontakt

Kontaktperson
Anja Bergner
Projektmitarbeiterin
Raum: Ga/0/06
Telefon: +49 3461 46-2700

Programmflyer

Anreise

Service für die Anreise

von Merseburg Bahnhof:
- zu Fuß ca. 25 min (2 km)
- ca. 7 min Bus bis Haltestelle Agentur für Arbeit/Hochschule Linie 721/ Linie A (Mo-Fr)
mit dem Auto:
-
A38 Ausfahrt 26 Leuna/ Merseburg auf B91, später links abbiegen auf Geusaer Straße & anschließend links in den Ulmenweg - A38 Ausfahrt 24 Merseburg Nord auf L172, rechts abbiegen auf B91, rechts abbiegen auf Geusaer Straße, links abbiegen in den Ulmenweg

Kostenfreie Parkplätze finden Sie auf dem Hochschul-Campus (siehe Campusplan zum Download)

Hinweis Foto- und Filmaufnahmen

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass während des Fachkongress "Sinnlich-konkret - Achtsam-sensibel" Foto- und Filmaufnahmen gemacht werden. Die Foto- und Filmaufnahmen werden in Bildschirm- und Printmedien der Hochschule Merseburg zur Berichterstattung veröffentlicht sowie ggf. für neue Informationsmaterialien (Bildschirm und Print) der Hochschule Merseburg genutzt.

 

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