Skip to main content

Impulse für morgen im Green Tourism

Impulse für morgen im Green Tourism

Dr. Sophia Linda Stieme-Kirst und Heike Kutzer von der Hochschule Merseburg forschen im KAT zu den Themen “Nachhaltigkeit im Beherbergungsgewerbe und in der touristischen Mobilität“. Welche Erkenntnisse gibt es seit Projektbeginn und welche Auswirkungen haben diese für Tourismusakteure und politische Entscheidungsträger?

­

Auf ein Wort im KAT

Welches zentrale Problem oder welche Fragestellung steht im Mittelpunkt Ihres Forschungsprojektes und warum halten Sie dieses Thema gerade jetzt für besonders relevant?

Im Mittelpunkt unserer Forschungsprojekte stehen zwei eng miteinander verbundene Bereiche: Erstens die nachhaltige Gestaltung von Beherbergungsangeboten, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Beherbergungsangeboten, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Betrieben, mit Fokus auf ressourcenschonende Nutzung, Baukultur und regionale Wertschöpfung. Zweitens betrachten wir die touristische
Mobilität: Welche umweltfreundlichen Transportangebote und Anbindungen lassen sich entwickeln, um Gäste nachhaltig durch die Region zu bewegen? Beide Projekte zusammen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Das Thema ist gerade jetzt besonders relevant, weil Tourismusakteure vor der Herausforderung stehen, Klimaschutz, Ressourcenschonung und umweltfreundliche Mobilitätsangebote miteinander zu verbinden. Gleichzeitig bietet nachhaltiger Tourismus Chancen, regionale Wertschöpfung zu stärken, Natur- und Kulturerbe zu schützen und Sachsen-Anhalt als zukunftsorientierte, attraktive Destination zu positionieren.
 

Gab es bei Ihrer bisherigen Arbeit bereits überraschende Erkenntnisse oder Aspekte, die in der Forschung bisher übersehen wurden?

Ja, eine überraschende Erkenntnis ist, dass viele Beherbergungsbetriebe und Touristiker Nachhaltigkeit zwar grundsätzlich befürworten, sie in der Praxis jedoch häufig nur punktuell oder eher symbolisch umsetzen, etwa durch einzelne Maßnahmen ohne übergeordnetes Konzept. Dabei zeigt sich auch, dass unter „Nachhaltigkeit“ sehr Unterschiedliches verstanden wird, was zu stark variierenden Ansätzen und Prioritäten führt. Auffällig ist zudem, dass Zertifizierungen bislang eine eher untergeordnete Rolle spielen, sowohl für Gäste als auch für Betriebe, obwohl die Landesstrategie klar auf eine flächendeckende zertifizierte Nachhaltigkeit setzt. Auch nachhaltige Mobilitätsangebote, wie E-Bike-Angebote oder die Einbindung des öffentlichen Nahverkehrs, werden in der Praxis noch häufig unterschätzt – generell die Mobilität vor Ort. Diese Diskrepanz zwischen politischem Anspruch, Gästebedarf und tatsächlicher Umsetzung bietet großes Potenzial für praxisnahe Handlungsempfehlungen.


Inwiefern kann Ihr Projekt dazu beitragen, aktuelle gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu lösen?

Tourismus ist ein klassisches Querschnittsthema: Er hängt eng mit Mobilität, Baukultur, Regionalentwicklung, Digitalisierung und der Daseinsvorsorge zusammen und macht strukturelle Herausforderungen in einer Region besonders sichtbar. Genau an dieser Schnittstelle setzt unsere Forschung an, indem sie zeigt, wie nachhaltige Lösungen in diesen Bereichen zusammengedacht und praktisch umgesetzt werden können. In Sachsen-Anhalt besteht das Beherbergungsangebot überwiegend aus kleinen Unterkünften wie Ferienhäusern, Pensionen oder familiengeführten Hotels. Gerade für diese Betriebe ist es besonders relevant, Nachhaltigkeit nicht punktuell, sondern ganzheitlich zu denken: Ressourcenschonende Beherbergung, z. B. durch die Nutzung und Umnutzung bestehender Bausubstanz, umweltfreundliche Mobilitätsangebote oder gezielte Zertifizierungen/Auszeichnungen können ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. Ergänzend liefern Gästebefragungen im Rahmen einer Panelstudie wertvolle Einblicke in Erwartungen und Wahrnehmungen von Nachhaltigkeit. Diese Erkenntnisse unterstützen sowohl Betriebe als auch politische Entscheidungsträger dabei, gezielt Leuchtturmprojekte zu entwickeln, die regionale Wertschöpfung stärken, CO₂-Emissionen reduzieren und Natur- sowie Kulturerbe schützen.


Was unterscheidet Ihren Forschungsansatz von bisherigen Studien?

Unser Forschungsansatz unterscheidet sich von bisherigen Studien vor allem dadurch, dass wir Beherbergungsgewerbe, touristische Mobilität und die Perspektive der Gäste interdisziplinär untersuchen. Dabei stehen insbesondere ökonomische Zusammenhänge im Fokus, die durch ökologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven ergänzt werden, also im Sinne der drei Säulen der Nachhaltigkeit. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf Kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen, deren wirtschaftliche Handlungsspielräume und Potenziale in der bisherigen Forschung häufig nur unzureichend berücksichtigt wurden.


Welche konkreten Auswirkungen könnte Ihre Forschung auf den Alltag der Menschen, politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Entwicklungen haben?

Unsere Forschung kann auf mehreren Ebenen konkrete Auswirkungen entfalten. Für Menschen vor Ort bedeutet sie, dass nachhaltige touristische Angebote, wie umweltfreundliche Mobilität, ressourcenschonende Unterkünfte oder zertifizierte Betriebe, besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmt werden können. Für politische Entscheidungsträger liefern die Projekte fundierte Daten und praxisnahe Empfehlungen, um Förderprogramme, Rahmenbedingungen und nachhaltige Strategien gezielt weiterzuentwickeln. Gleichzeitig eröffnen sich für insbesondere kleine, familiengeführte Betriebe neue Chancen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, innovative Vorzeigeprojekte umzusetzen und Sachsen-Anhalt als attraktive, nachhaltige Tourismusregion zu gestalten.


Welche ersten Ergebnisse konnten Sie bereits erzielen – und welche spannenden Anschlussfragen haben sich dabei ergeben? Wie geht es jetzt weiter?

Erste Ergebnisse aus einer kurzen Umfrage auf der Grünen Woche in Berlin zeigen, dass viele Befragte bereit sind, für Kulturangebote und Übernachtungen mehr Geld auszugeben, sofern die Qualität stimmt. Klassische touristische Zertifizierungen sind dabei jedoch den meisten nicht bekannt; stattdessen orientieren sich Gäste stark an Bewertungen auf gängigen Buchungsplattformen. Diese Ergebnisse werfen spannende Anschlussfragen auf: Welche Faktoren machen Qualität aus Sicht der Gäste tatsächlich aus? Und welche Rolle spielen dabei Aspekte wie Architektur und Baukultur für das touristische Erlebnis? Diese Fragen werden in den nächsten Projektphasen vertieft untersucht.
 

­

Ansprechpersonen an der HoMe

Kontaktperson
Dr. Sophia Stieme-Kirst
Professur für Anorganische Chemie und Umweltchemie
Raum: Hg/D/1/08
Kontaktperson
Heike Kutzer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin KAT-Projekt „Green Tourism: Nachhaltiger Tourismus in Sachsen-Anhalt“
Raum: Hg/G/3/01
Telefon: 2464

Förderung

Das Projekt wird aus Mitteln der Europäischen Union finanziert.

Nach oben