Absolventin Leora Koch gehört zu den Preisträgerinnen des ARD/ZDF Förderpreises »Frauen + Medientechnologie« 2026
Leora Koch hat mit ihrem Projekt „Klassikomat – Entwicklung eines emotionsbasierten Empfehlungssystems mit KI-Avatar-Führung in der digitalen öffentlich-rechtlichen Klassikvermittlung“ die Jury überzeugt. Damit gehört erstmals eine Absolventin der Hochschule Merseburg zu den Top 3 des ARD/ZDF Förderpreises »Frauen + Medientechnologie«. Mit dem Thema hat sich Leora Koch im Rahmen ihrer Masterarbeit im Studiengang Informationsdesign und Medienmanagement (IDMM) auseinandergesetzt.
Diesen Erfolg haben wir zum Anlass genommen, mit ihr über die Entstehung des Klassikomaten zu sprechen, zu erfahren, was hinter dem Projekt steckt und welche Rolle ihr Studium bei der Entwicklung gespielt hat.
Was bedeutet die Nominierung für Sie persönlich?
Die Nominierung bedeutet mir sehr viel und ist für mich eine ganz besondere Anerkennung. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, gemeinsam mit so vielen tollen Wissenschaftlerinnen für ihre Forschung gewürdigt zu werden. Dass ich nun tatsächlich zu den drei Gewinnerinnen zähle, ist für mich ehrlich gesagt noch gar nicht ganz angekommen.
In meiner Masterarbeit stecken viel Zeit, Motivation, aber auch Zweifel und vor allem Durchhaltevermögen. Umso schöner ist es, einige Monate nach dem Abschluss noch eine solche Wertschätzung und positive Rückmeldung für die Arbeit zu erfahren.
Wie ist die Idee für den „Klassikomat“ entstanden, und was hat Sie daran so fasziniert, dass Sie daraus Ihr Masterarbeitsthema gemacht haben?
Im digitalen Zeitalter übernehmen Algorithmen einen Großteil unserer Entscheidungen - ohne dass wir wissen, wie die Prozesse genau ablaufen. Ich habe mich gefragt, wie denn ein Entscheidungssystem aussehen könnte, das aktiv durch eigene Eingaben gesteuert werden kann, transparent arbeitet und trotzdem nicht überfordert.
Gleichzeitig wollte ich eine Möglichkeit finden, den Zugang zur klassischen Musik zu erleichtern und Frauen in der Klassik sichtbarer zu machen. Und das zusammengewürfelt hat dann die Idee des Klassikomaten ergeben - ein emotionsbasiertes Entscheidungssystem für klassische Musik. Außerdem habe ich in der Zeit viel mit generativer KI probiert, da waren dann die KI-Avatare die Kirsche auf der Sahnehaube.
Was genau ist der „Klassikomat“ und wie funktioniert die Verbindung aus emotionsbasierter Musikempfehlung und KI-Avatar?
Der Klassikomat ist ein Empfehlungssystem, das über das Abfragen von Emotionen und Bedürfnissen Musikstücke aus der ARD-Klassik-Mediathek vorschlägt. Zu Beginn wird ein KI-Avatar als "Begleitperson" gewählt (zum Beispiel Ludwig van Beethoven oder Clara Schumann). Dieser bewegt sich, spricht wie eine echte Person, fragt nach der Gefühlslage und bei Bedarf nach spezifischen Wünschen, wie zum Beispiel Genre oder Epoche. Zu den vorgeschlagenen Stücken gibt es dann verschiedene Optionen - Hörproben, Hintergründe, die nächsten Konzerttermine etc. Die direkte Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen ist ja nicht immer so einfach, und die KI-Avatare sollen wie eine Begleitfigur funktionieren, die den Prozess leichter macht.
Was war bei der Entwicklung des „Klassikomaten“ die größte Herausforderung – und gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: „Jetzt funktioniert es wirklich“?
Ganz klar die Avatare. Da hatte die generative KI ihren Spaß mit mir. Trotz genauer Prompts, dass er doch bitte lächeln soll, schaute Ludwig v. Beethoven nur grimmig drein und Clara Schumann wiederum hat bei jedem Satz überfreundlich gelächelt (genderbias lässt grüßen). Da musste ich lange herumprobieren. Der erste Erfolgsmoment war, als ich den Prototypen am Küchentisch meinen WG-Mitbewohner*innen gezeigt habe und beide positiv überrascht waren, was da herausgekommen ist.
Ü
Welche Rolle hat Ihr Studium an der Hochschule Merseburg bei der Entwicklung des Projekts gespielt? Was aus dem Studium konnten Sie konkret für Ihre Arbeit nutzen?
Ich hatte während des Studiums spannende Module: 3D-Animation, Entwicklung von Computerspielen, Fachjournalismus und vieles mehr. Da haben wir den Umgang mit verschiedenen Programmen gelernt, mit denen ich dann auch in der Masterarbeit gearbeitet habe. Aber besonders hilfreich fand ich, wie sehr unsere Kreativität und Eigenverantwortung gefördert wurde. Ich hatte immer viel Freiheit in meinen Abschlussprojekten und das hat bei der Entwicklung des Klassikomaten ungemein geholfen. Warum nicht einfach mal ein Entscheidungssystem bauen? Wird schon klappen. An dieser Stelle möchte ich mich auch herzlich bei meinem Betreuer, Prof. Marco Zeugner, bedanken. Er hat mich während der gesamten Masterarbeit sehr gut begleitet, mir viel Freiraum gelassen und war gleichzeitig immer mit hilfreichen Ratschlägen zur Stelle, wenn es mal gehakt hat. Diese Mischung aus Vertrauen, Unterstützung und fachlichem Input war perfekt.
Ihre Masterarbeit verbindet wissenschaftliche Arbeit mit einer sehr konkreten digitalen Anwendung. Wie wichtig war Ihnen dieser Praxisbezug – und wo könnte der „Klassikomat“ tatsächlich zum Einsatz kommen?
Der Praxisbezug war mir total wichtig und wird im Studiengang IDMM gelebt. Reine Theoriearbeiten sind nicht meins, die Brücke zwischen Theorie und Praxis hat richtig gut funktioniert. Der Prototyp ist für die ARD-Plattformen entworfen. Aber theoretisch ist dieser emotionsbasierte Entscheidungshergang mit KI-Begleitung für alle Medienplattformen möglich.
Was möchten Sie aus dem Projekt und aus Ihrer Masterarbeit für Ihren weiteren beruflichen Weg mitnehmen?
Ich glaube, dass uns generative KI und Empfehlungssysteme auch in Zukunft begleiten werden und nicht mehr wegzudenken sind. Gleichzeitig ist es in Zeiten von Deepfakes wichtig, einen transparenten und verantwortungsbewussten Umgang damit zu entwickeln.
Losgelöst vom Thema: Was machen Sie aktuell? Wohin hat es Sie nach dem Studium verschlagen?
Während des Studiums habe ich mein Praktikum beim Bayerischen Rundfunk in der Redaktion Klassik absolviert, dort als Werkstudentin gearbeitet und meine Masterarbeit geschrieben. Nach Abschluss der Masterarbeit bin ich dort nun als freie Mitarbeiterin tätig. Gerade arbeite ich an einem Projekt, das direkt an meine Masterarbeit anknüpft – ein Zugang zur Klassik über Emotionen. Es geht also direkt weiter, was mich sehr freut.
Hintergrund:
Der ARD/ZDF Förderpreis Förderpreises »Frauen + Medientechnologie« wird seit 2009 jährlich an Absolventinnen von Hochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verliehen.
Mit dem Förderpreis wollen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten talentierte Frauen motivieren, sich im Rahmen ihres Studiums und ihrer Forschung mit dem Bereich der audiovisuellen Medienproduktion und -distribution zu befassen. Die öffentliche Preisverleihung findet im Rahmen der Medientage München am Donnerstag, 22. Oktober 2026, im House of Communication statt. Dann wird auch bekanntgegeben, welche Preisträgerin den ersten, zweiten und dritten Preis erhält.
Und welcher Platz auf dem Treppchen wird es? Das entscheidet sich im Oktober 2026. Dann steht fest, wie Leora Koch mit ihrem „Klassikomat“ beim ARD/ZDF Förderpreis »Frauen + Medientechnologie« abschneidet.
Vielen Dank für das Gespräch!



