Projekte

Gestalterische Interventionen auf dem Campus der Hochschule Merseburg 2018

Im Wintersemester 2018/19 wurde im Modul Visuelle Kommunikation des Masterstudiengangs Angewandte Medien- und Kulturwissenschaft Designforschung praktisch betrieben. Nach einer Einführung in die Geschichte und die Theorie von Design und damit in den Gegenstand der Designforschung wurde ein Input zum Thema Gestalterische Interventionen durch den Künstler Michael Merkel geboten. Mit dieser Inspiration wurden nun in Gruppen verschiedene Interventionen auf dem Campus der Hochschule Merseburg konzipiert, präsentiert und diskutiert. Nach einer Zwischenpräsentation zum Abschluss des WS2018/19 entschieden wir uns die Projektideen auch wirklich zu realisieren, um so den Charakter der verschiedenen Interventionen wie auch die Reaktionen seitens der Hochschule und der dort Studierenden zu erfahren.  Betreut wurde das Modul durch Prof. Dr. Stefan Meißner.

Pendler-Haltestelle ​

Pendler-Haltestelle

Täglich fahren unzählige Menschen mit ihren Autos von der Hochschule Merseburg nach Hause in die umliegenden Städte Halle und Leipzig. Die Autos sind selten vollzählig besetzt! Dies ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch schade für den Einzelnen. Die Hochschule bietet keine stressfreie und spontane Lösung der An- und Abreise. Außerdem ist die Organisation dessen außerordentlich zeitaufwendig. Die Projektgruppe hinter dieser These, fordert ein Umdenken und plädiert für mehr flexible Fahrgemeinschaften und eine Pendler*innen-Haltestelle! Die Idee soll die Verkehrsproblematik an der Hochschule Merseburg behandeln und eine alternative und spontane Reisemöglichkeit anbieten. Eine Pendlerhaltestelle ist als solche kenntlich gemacht und soll zum spontanen Reisen per Anhalter einladen. Das Team macht mit einer Umfrage auf den Missstand der Verkehrsanbindung aufmerksam und möchte mit dem Projekt zu einer Verbesserung der Abreisebedingungen von der Hochschule in die umliegenden Städte beitragen. Studierende und Mitarbeiter sind aufgerufen an der Umfrage teilzunehmen und werden gezielt mit einer Postkarten-Wurfaktion an der Hochschule darauf aufmerksam gemacht.  

​Von Raphaela Krumhard, Philipp Müller und Susann Schrödter

HoMe?

HoMe? - Wer definiert, was Zuhause ist?

„Was für ein kreativer Vandalismus!“ (Student KMP) | „Schmierereien“ (Angestellte der Hochschule)

HoMe – dieser Schriftzug steht abgekürzt für Hochschule Merseburg und ist zugleich das Hochschul-Motto: Die Hochschulangehörigen sollen sich hier zuhause fühlen. Doch wer definiert, was Zuhause ist? Wir wollten Studierende und Hochschulangestellte gleichermaßen zum kritischen Nachdenken und zur konstruktiven Diskussion über das Motto anregen. In einer abendlichen Guerilla-Spray-Aktion ergänzten wir den Schriftzug HoMe, der auf den Treppen zum Haupteingang prangt, mit einem weißen Fragezeichen. Der Hochschule gefiel unser Werk anscheinend nicht. Schon am nächsten Morgen rückte der Putzdienst an. Die Hochschule ließ es sich aber nicht nehmen, ein Foto der Aktion für ihren Social-Media-Auftritt zu nutzen. Unter der Caption „Feels like HoMe!“ fragte sie auf Facebook nach den schönsten Erinnerungen mit der Hochschule Merseburg. Unsere Aktion wurde zweifellos weitergetragen. Nur das Fragezeichen ist irgendwo auf der Strecke geblieben.

​Von Miriam Laschinski, Maria Feuersenger und Alexandra Kober

Kristallpalast

Projekt „Kristallpalast“

Mit unserem  Projekt „Kristallpalast“ im Rahmen des Seminars Visuelle Kommunikation und Designtheorie, sollte auf eine der brachliegenden Verfahrenstechnikhallen der ehemaligen Technischen Hochschule Carl Schorlemmer, aufmerksam gemacht werden. Als Impuls zur Rückführung der Brache als wieder genutztes Gebäude in die öffentliche Wahrnehmung, führten wir im Rahmen der Museumsnacht Merseburg am 21.04.2018 eine Veranstaltung durch. Es gab hierbei eine Lichtinstallation und Videoprojektion zu sehen. Dazu beleuchteten wir die Glasfassade der Verfahrenstechnikhalle mit verschiedenfarbigen Strahlern und zeigten einen eigenproduzierten Kurzfilm über das Studentenleben zur Zeit der DDR. Hierfür verwendeten wir Archivfotomaterial der Hochschule. Zwei Interviews mit Zeitzeugen vervollständigten den Film. Diesen projizierten wir an eine Seite der Glasfassade als Rückprojektion. Das Projekt kooperierte mit seiner Arbeit sowohl mit der Hochschule Merseburg, dem Chemie-Museum Merseburg, dem Leseturm e.V. und der Stadt Merseburg. Durch das Projekt „Kristallpalast“ zeigte sich, wie man mit geringem finanziellem Aufwand brachliegende Orte wiederbeleben und für kreative Projekte nutzbar machen kann. Das Projekt wird weitergeführt und bei der Sommerakademie 2018 der Kulturstiftung Hohenmölsen vorgestellt. Langfristig sollen Teile des brachliegenden Campus vor dem Verfall bewahrt und einer kreativen Nutzung rückgeführt werden.

Von Dennis Post, Eva von Andrian-Werburg und Sharon Andreu Marcelo

Ein Klostreit

„Mit Rechten reden?“ – Ein Klostreit

"Mit Rechten reden?" ist eine Frage, die derzeit auf vielen Kanälen gestellt wird und sowohl für die öffentliche, als auch für die institutionelle und private Ebene eine Rolle spielt. Sollen Vertreter*innen des Rechtspopulismus in Talkshows eingeladen werden oder nicht? Was spricht für und was gegen eine öffentliche Auseinandersetzung? Wo ist die Grenze einer Bildungseinrichtung, etwa wenn Lehrkräfte ausländerfeindliche Meinungen kundtun? Und wo ist eigentlich meine ganz persönliche Grenze, wenn ich im eigenen Umfeld mit rechten Meinungen konfrontiert werde?

Die auditive Intervention "Mit Rechten reden? - Ein Klostreit" widmet sich diesen Fragen. Dabei wurde bewusst die Toilette als Ort der Inszenierung gewählt. Als halb öffentlicher Raum ist sie für jede*n zugänglich und zugleich ein Ort der Intimität. Diese Stimmung wird durch die Intervention plötzlich gestört von zwei Stimmen, die aus unterschiedlichen Kabinen kommen und in zuvor aufgenommenen Dialogen um mögliche Antworten auf die aufgeworfenen Fragen ringen. Die Intervention lädt dazu ein, den Moment des Toilettengangs zu erweitern. Sie will irritieren und zum Mitdenken anregen.

Von Marie-Louise Stoll, Jule Hillesheimer und Sarah Lauer

Gelb die ideale Farbe zum Denken

Mood of Lights

Licht hat bekanntlich großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Die Nutzung von Farblicht ist eine sehr sanfte Methode, um Licht in verschiedenen Frequenzen als feinste Reize in den Körper zu schleusen. Mit den richtigen Farben ist es möglich, die Aufmerksamkeit zu lenken und die Psyche zu beeinflussen. Warum diesen Effekt also nicht bei Studierenden ausnutzen und mit verschiedenen Lichtfrequenzen gezielt eine im Raum angepasste, positive Lern-Stimmung schaffen?

Mit der Intervention „Mood of Lights“ möchten wir den Lehrenden der Hochschule Merseburg die Möglichkeit geben, die Lichtfarbwirkung von gelb und grün auf die Studierenden im Seminarraum F2/24 des Hauptgebäudes im Zeitraum von drei Wochen zu testen. Sie können selbst durch die Nutzung der Lichtschalter entscheiden, wann sie welche Farbe einsetzten wollen, um die passende Arbeitsstimmung zu erzeugen. Im Seminarraum befinden sich drei Reihen mit Leuchtstoffröhren und diese lassen sich einzeln durch die Lichtschalter neben der Eingangstür steuern.

Blick Eingangstür von links nach rechts: 1 Reihe: coolwhite (Standardausstattung Farbtemperatur 4000 K) |  2 Reihe: gelb | 3 Reihe: grün

Um die Arbeits- und Lernmoral der Studierenden zu beeinflussen ist gelb die ideale Farbe zum Denken, sie regt den Geist an und unterstützt beim Lernen. Wegen seines wohltuenden, entspannenden Effekts wirkt grünes Licht kreativitätsfördernd und fördert die Kommunikation.

Von Martin Wilde, Ivette Witkowski und Jan Batzer

Coffee to go

Coffee to go

Rund 52 Liter Wasser, 2300 Gramm Holz, 3000 Gramm CO2 und 120g Erdöl werden innerhalb eines Tages an der Kaffeebar der Hochschule Merseburg über die Theke gereicht – in Form von ca. 100 To-Go-Bechern. Hinzu kommen die zahlreichen Pappbecher aus den Kaffeeautomaten und der Mensa, für deren Produktion große Mengen an Rohstoffen sowie ein extrem hoher Energieaufwand benötigt werden. Die Nutzungsdauer eines Bechers von nur wenigen Minuten steht dabei in keinem Verhältnis zu seiner produktions-, transport und entsorgungsbedingten Ressour-cenverschwendung, womit der To-Go-Becher zum regelrechten Symbol der moder-nen Wegwerfgesellschaft geworden ist. Um auf den Rohstoffverbrauch durch die Benutzung von Einweg-Kaffeebechern aufmerksam zu machen sowie zu einem Um-denken im individuellen Konsumverhalten anzuregen, wollen wir mit allen Interes-sierten mithilfe der für die Einwegbecherproduktion benötigten Rohstoffe ein Ge-meinschaftskunstwerk im Innenhof der Hochschule erschaffen. Zur Verfügung stehen dabei Pappbecher, Acrylfarben, Sägespäne, Plastikperlen und Kaffeesatz, die in beliebiger Form zur Mitgestaltung anregen. Das gemeinsam kreierte Kunstwerk wird im Nachhinein gleich der unachtsamen Entsorgung eines Kaffeebechers in den Müll geworfen.

 

Von Julia Wirth, Juliane Panser und Giovanna Weigand

#nocoffeetogo

#nocoffeetogo

Knapp 66.000 Coffee-To-Go-Becher landen laut unserer Recherchen an der Hochschule Merseburg jährlich im Müll. Hinzukommen noch die Deckel und Rührstäbchen aus Plastik sowie die Milch- und Zuckerverpackungen. Unser Anliegen war es, auf dieses Müllproblem aufmerksam zu machen und an der Hochschule ein Umdenken anzustoßen. Hierzu wählten wir für unsere Intervention die Form einer Videoprojektion an einem stark frequentierten Ort – der Mensa zur Mittagszeit. Auf diese Weise wurden möglichst viele Menschen erreicht. Der erste Teil des Videos bestand aus einer Abfolge von Bildern und Videosequenzen von Orten an der Hochschule an denen Kaffee gekauft und getrunken werden kann. Verbunden mit prägnanten Aussagen schaffte dies die nötige Aufmerksamkeit für die Problematik. Im Anschluss wurde eine digitale Karte der Hochschule auf die Leinwand projiziert, auf der mittels unterschiedlich großer, rot pulsierender Punkte sichtbar gemacht wurde, an welchen Orten in der Hochschule monatlich wie viele Becher in den Mülleimern verschwinden. Die Projektion wurde am Mittwoch, dem 27.06.2018 während der gesamten Mittagspause im Loop abgespielt.

Von Oxana Ponomareva, Linda Ehrlich, Julia Berthold und Linda Lobenhofer

HoMe Is Watching You!

HoMe Is Watching You!

Das Projekt „HoMe is watching you“ beschäftigt sich mit der steigenden Präsenz von Kameras in öffentlichen Räumen und der daraus resultierenden Gefahr der Überwachung. Es entsteht ein Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre der Menschen. Durch das Anbringen von Kameraattrappen in verschiedenen Räumen der Hochschule Merseburg wollten die Studierenden auf dieses Problem aufmerksam machen und herausfinden, ob die Angehörigen der Hochschule die steigende Überwachung überhaupt mitbekommen oder gar als Problem ansehen. Zu der Intervention gehörten aber nicht nur die Kameras samt Hinweisschildern an Plätzen wie dem Kopierraum oder der Caféteria, sondern auch eine eigens erstellte Homepage mit Fake-Videos, auf der die Reaktionen in einer Kommentarspalte gesammelt werden sollten sowie eine große Flyeraktion.

Von Jana Milbrodt, Yanina Kochtova und Julia Forster

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